Schweinberger feierten am 27.11.2005 das 275-jähriges Bestehen ihrer Kirche
Blick in die Annalen / Das erste Gotteshaus wurde 1346 in dem Hardheimer Ortsteil errichtet /
Festgottesdienst und Adventsmusik
Schweinberg. Die Pfarrkirche St. Andreas Schweinberg ist mit ihrer Ortsbild prägenden und
dominierenden Gestalt das Wahrzeichen von Schweinberg. Neben dieser äußerlichen Funktion stellt
dieses schmucke Gotteshaus seit 1730 für den Ort und die Menschen in der Gemeinde die Verbindung
zu Gott dar. So ist die Kirche zum geistig-religiösen Mittelpunkt von Schweinberg geworden.
Am Sonntag, 27. November, feiert die Kirchengemeinde, deren Patron der heilige Apostel
Andreas ist, im Rahmen des Patroziniumfestes das 275-jährige Bestehen der Kirche.
Den Festgottesdienst um 10.15 Uhr zelebriert Pfarrer Franz Lang, er wird vom Kirchenchor
Bretzingen musikalisch mitgestaltet. Gleichzeitig findet im Pfarrheim ein Kindergottesdienst
statt.
Dieses Jubiläum bildete für den Chronisten den Anlass, in der Festschrift
"250 Jahre Pfarrkirche Schweinberg" zu blättern, der damals die Pfarrakten sowie die
Zulassungsarbeit von Realschullehrer i. R. Alois Horn zur zweiten Dienstprüfung zum Thema
"Burg und Dorf Schweinberg in Vergangenheit und Gegenwart" als Informationsquelle
dienten.
Laut den Urkunden wurde die erste Kirche in Schweinberg im Jahre 1346
erbaut und dem heiligen Andreas geweiht. Bis Schweinberg im Jahre 1613 vom Fürstbischof
Julius Echter von Würzburg zur Pfarrei erhoben wurde, wurde der Ort abwechselnd von
Königheim und Hardheim betreut. Der neu gegründeten Pfarrei standen bewegte Jahre bevor.
So musste während des Dreißigjährigen Krieges 1632 der katholische Pfarrer vor den
Schweden fliehen und Schweinberg wurde, wie schon von 1527 bis 1601 lutherisch, ehe es
wieder 1634 katholisch wurde.
Bereits vier Jahre später verwaiste die Pfarrei
wieder infolge Priestermangels und wurde nun vom Geistlichen aus Hardheim mitbetreut.
Ab 1649 waren die Franziskaner aus Tauberbischofsheim für die Pfarrei mitverantwortlich
und hielten regelmäßig an Sonn- und Feiertagen Gottesdienste.
Wenige Jahre später
wurde Schweinberg wieder aus Hardheim und den umliegenden Klöstern pastoralisiert und ab
1657 hielten die Herren aus dem "neuen Bau" in Würzburg regelmäßig Sonntagsgottesdienste.
Erst im Jahre 1669 erhielt Schweinberg wieder einen neuen Ortspfarrer. Von da gab es w
ieder eine geordnete Seelsorge und Religionsunterricht.
Pfarrer Adam Gassenhardt,
der als Seelsorger von 1702 bis 1723 in der Pfarrgemeinde St. Andreas Schweinberg wirkte,
hat sich bereits für eine neue Kirche eingesetzt. In vielen Schreiben an den Bischof von
Würzburg schilderte er den ruinösen Zustand des Gotteshauses. Dieses Anliegen griff sein
Nachfolger Pfarrer Johann Stefan Weigant (Pfarrer von 1723 bis 1729) tatkräftig auf.
In zahlreichen Eingaben ersuchte er das Hochstift von Würzburg und das Erzstift von Mainz,
die beide in Schweinberg Zehntrechte besaßen, um die nötige finanzielle Unterstützung.
Wie es um die Kirche bestellt war, darüber berichtet der Geistliche in einer
ausführlichen Beschreibung: "Das Dorf hat 664 Seelen, das alte Kirchlein ist 1346 erbaut.
Die Länge beträgt 33 Schuh (etwa zehn Meter), die Breite 22 Schuh (etwa sieben Meter).
Die Höhe bis zur Empore, die den größten Teil des Schiffes bedeckt, beträgt neun Schuh
(etwa drei Meter). Auf dem Deckengebälkliegen nur Bretter, dadurch wirkt die Kirche wie
einen Scheune. In feuchten Wintern und im Frühling fließen Quellen in die Kirche, weil sie
tief liegt und weder gepflastert noch mit Platten belegt ist.
Die Empore verfinstert
und entstellt die Kirche, außerdem sind die niedrigen Fenster der Beschädigung und dem
Unfug ausgesetzt. Der Chor liegt unter dem Turm. Auf diesem befindet sich ein Holzstockwerk,
mit Stein ausgemauert. Das Holz ist faul und die Ausmauerung fällt heraus. Glocken können
keine geläutet werden, weil sonst das Mauerwerk auf den Altar fällt. Es ist mit Lebensgefahr
verbunden, die Messe zu lesen wegen herabfallender Steine.
Auf der linken Seite des
Schiffes bieten die Bänke fünf und auf der rechten Seite des Schiffes sieben Personen
Platz. Die Empore kann 100 Personen aufnehmen. Die meisten Kirchenbesucher sehen den Priester
am Altar nicht, viele müssen außen bleiben und sind unandächtig während der
Sonntagsmesse".
Die Eingabe hatte anscheinend keinen Erfolg, denn die Kirchenbehörden
verlangten nun das Gutachten eines neutralen Fachmannes. Dieser weist darauf hin, dass das
Gewölbe im Chor bereits am Einfallen sei, die Backsteine würden sich lösen, die Schalllöcher
im Turm seien verfault und zerfallen und das Wasser habe durch das Gewölbe geschlagen,
dass der Regen einfalle und kein Priester am Altar vor herab fallendem Wasser, Gestein und
Sand mehr sicher die heilige Messe lesen könne.
Im weiteren Verlauf der
Bauangelegenheit kam es zwischen den Kirchenbehörden von Würzburg und Mainz zu
Meinungsverschiedenheiten wegen Verteilung der Kosten. Da Mainz in Schweinberg ein Drittel
des Zehnten besaß, sollte es auch ein Drittel der Baukosten übernehmen. Doch da sich Mainz
wehrte, behielt Schweinberg mit Einverständnis der Kirchenbehörde in Würzburg den
dritten Teil des Zehnten ein. Schließlich erklärte sich Mainz doch bereit, seinen Anteil
zu übernehmen.
Inzwischen hatte man in Schweinberg bereits mit dem Kirchenbau
begonnen. Die Maße der neuen Kirche zeigen, dass es den Schweinberger Bürgern nicht an
Mut gefehlt hat. Das Kirchenschiff wurde 79 Schuh lang und 40 Schuh breit, es entstand
eine stattliche Kirche. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 3416 Gulden.
Die Gemeinde
stellte neben 100 Gulden den nötigen Platz zur Verfügung. Auf diesem stand zuvor noch ein
Wohnhaus. Am 6. Januar 1730 "benedizierte" (segnete) Pfarrer Johannes Andreas Sartorius
mit Erlaubnis des Bischofs die neue Kirche. Zu diesem Zeitpunkt standen von dem neuen
Gotteshaus jedoch nur die rohen Mauern, es war noch keine Decke eingezogen und es fehlten
noch die Fenster, Türen und sogar die Treppe.
Im März 1731 wurden die neue Orgel
und der Hochalter, der von Johannes Laurentius Agricola, geboren in Schweinberg,
gestiftet wurde. Am 12. Juni 1731 kamen die vier Figuren des Hochaltars, St. Andreas,
St. Laurentius und die zwei Engel in die Kirche. Für die neue Kanzel sorgte Philipp
Halbritter von Rittersburg, Amtmann in Hardheim. Am 7. April 1734 schenkte Bischof Johann
Bernhard dem Gotteshaus ein Gemälde von der "unbefleckt empfangenen Gottesmutter Maria".
Am 29. April 1734 wurde der zweite Seitenaltar errichtet, der ebenfalls gestiftet
wurde. Am 11. Oktober 1739 nahm Bischof Johann Bernhard die Konsekration der neuen Kirche
vor. Sie wie der Hochaltar wurden dem heiligen Andreas geweiht, der linke Seitenaltar der
Jungfrau Maria und der rechte Seitenaltar dem heiligen Josef.
Größere Reparaturen
an Turm, Langhaus und Sakristei wurden in den Jahren 1826 bis 1830 durchgeführt.
Der Neubau der Sakristei erfolgte 1882/83. Von 1887 bis 1890 wurden die neuen farbigen
Fenster in das Langhaus eingebaut. Aus den Akten können von 1821 bis 1952 viermal eine
Glockenweihe nachgewiesen werden. Die letzte große Renovierung der Kirche wurde 1951 bis
1952 vorgenommen. Später folgten noch die Sanierung der Fenster sowie das Verlegen von
Steinplatten im Gotteshaus. Derzeit stehen wiederum Renovierungsarbeiten an. Zu deren
Finanzierung dienen die Kollekte des Gottesdienstes am Sonntagmorgen sowie der Erlös
des schon traditionellen Adventskonzerts in der Pfarrkirche am Abend ab 19.30 Uhr. (ck)
© Fränkische Nachrichten - 24.11.2005
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