Die Orgeln im Erftaldom Hardheim
Aus den Festschriften zum 100 jährigen Kirchenjubiläum 1994 und zur Orgelweihe am 9. Dezember 2001
Die erste Orgel aus der Orgelwerkstatt Wilhelm Bader, Hardheim
Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts werden Orgeln in unserer Region erstellt. Der zunächst in Waldstetten arbeitende
Ignaz Dörr gilt als Gründer der Hardheimer Orgelbautradition. Nach dessen Tod übernahm sein damaliger Werkstattmeister
Wilhelm Bader Senior den Betrieb und erstellte 1887 als Opus 1 die Orgel in Mondfeld - heute in der kath. Filialkirche
Hornbach. Im Jahre 1894 begann Wilhelm Bader damit für den gerade erst vollendeten Erftaldom eine neue Orgel zu
errichten.
Die boomenden Nachkriegsjahrzente führten - wie wir es heute negativ sehen - vielerorts zu einer Purifizierung der
Kirchenräume. Auch Hardheim selbst blieb davon nicht verschont. Dem Zeitgeschmack entsprechend wurde mitte in den Jahren
1963 bis 1967 nahezu alles, was an Neobyzantinik erinnerte und farbig war, entfernt. Auch die alte Bader-Orgel von 1894
spielte am 2.7.1967 zum letzten Mal.
Orgelumbau durch Orgelbaumeister Hans-Theodor Vleugels, Hardheim (1967/1968)
Die umgebaute Orgel wurde am 17. Mai 1968 eingeweiht und ist ein Werk des Orgelbaumeisters Hans-Theodor Vleugels,
Hardheim, der die Werkstatt des Wilhelm Bader übernommen hatte. Die Orgel verfügt über 30 Register auf
Hauptwerk, chwellwerk und Pedal. Einige Stimmen der Bader-Orgel wurden übernommen. Die Orgel, die auf der
Empore über der Vorhalle im Mittelschiff aufgestellt ist, besitzt einen Prospekt aus einem erhöhten und
abgestuften Mittelabschnitt mit zwei übereinanderliegenden Pfeifenreihen. Die links und rechts angebrachten
Zwischenabschnitte werden von wei höheren Seitenteilen eingefaßt. Dadurch entsteht ein gestaffelter Prospekt,
der fast die ganze Breite des Mittelschiffs einnimmt und bis unter das Gewölbe reicht.
Orgelrenovierung und Erweiterung Orgelmanufactur Vleugels, Hardheim,(2001)
Schon sein vielen Jahren war der schlechte Zustand der Orgel des Erftaldoms bekannt. Neben dem normalen Alterungsprozess
kamen Verschmutzungen während der Kirchenrenovation hinzu, so dass eine Renovierung der Orgel immer dringlicher wurde.
Bedingt durch die hohen Kosten der Kirchenrenovation musste das Projekt Orgelsanierung immer wieder hinausgeschoben werden.
Erst 1998 konnten erste konkrete Überlegungen angestellt werden. Nachdem sich zeigte, dass die Sanierung der Orgel in
Hardheims Bevölkerung breite Zustimmung fand, konnten es Stiftungsrat und Pfarrgemeinderat wagen, nicht nur die notwendigen
Reperaturen durchzuführen, sondern auch an eine Erweiterung der Orgel zu denken, wie sie ursprünglich zu Zeit der
Erbauung (1968) einmal vorgesehen war. Nach der Ausschreibung der Arbeiten entschied sich der Stiftungsrat im November
2000 für das Angebot der Hardheimer Orgelmanufactur Vleugels.
Großer Dank gebührt allen Spendern, die durch ihre Großzügigkeit die Sanierung und Erweiterung unserer Orgel erst möglich
gemacht haben.
Die Konzeption der neuen Vleugels-Orgel
(Michale Meuser M.A. Erzbischöflicher Orgelinspektor)
Als im Frühjahr des Jahres 2000 der Orgelinspektor gerufen wurde, weil in der Hardheimer Orgel Prospektpfeifen
sich krümmten und herabzustürzen drohten, war es um die Orgel nicht gut bestellt. Über dreißig Jahre hat der Zahn
der Zeit an dem Instrument genagt und Materialermüdung hatte das Ihrige getan, so dass eine größere Revision an dem
Instrument nötig wurde. Auch im Spielbereich stellte sich die Frage, ob es sinnvoll wäre, die elektrischen
Steuerungsteile, die unzuverlässig geworden waren, zu erhalten oder durch ein neues System zu ersetzen.
Im Laufe der Überlegungen stellte sich heraus, dass die Orgel ursprünglich als ein dreimanualiges Werk geplant
gewesen war, aber aus Kostengründen das dritte Werk, ein Rückpositiv, nicht gebaut werden konnte.
Insofern stellte sich die Frage, auf welche Weise die Orgel erweitert werden könne. Die ursprüngliche Konzeption
meit einem Werk in der Brüstung der Empore (Rückpositiv) schied aus verschiedenen Gründen aus. Im Hauptgehäuße selbst
war kein Platz mehr für zusätzliche Register, während hinter der eigentlichen Orgel noch ein ungenutzter Raum
vorhanden war. So bot sich von den räumlichen Möglichkeiten her an, ein Schwellwerk - ein Orgelwerk in einem
geschlossenen Gehäuse, das durch Jalousien sich öffnen lässt - zu bauen.
Die Konzeption der Hauptorgel von 1968 war stark von der Orgelbewegung bestimmt, die vor allem das Klangideal der
Obertönigkeit, Klangschärfe und Durchhörbarkeit auf ihre Fahnen geschrieben hatte, währnd unsere Zeit auch wieder die
Grundtönigkeit und die "Farben des 19. Jahrhunderts" zu schätzen weiß. Da eine Erweiterung in Sinne der Konzeption
von 1968 nicht möglich war, haben wir uns entschlossen, das zusätzliche Werk klanglich in der Entstehungszeit der Kirche
anzusiedeln und die Orgelbau Tradition, die in Hardheim ja schon über hundert Jahre existiert, in einem Schwellwerk
"zu Wort kommen zu lassen".
Spieltraktur nach Umbau 2001
Reichen Registerfundus der Orgelbau-Manufactur Vleugels
Aus dem reichen Registerfundus der Orgelbau-Manufactur Vleugels sind eine ganze Reihe wertvoller Register aus der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in das Schwellwerk eingegangen. Dieses neue Werk soll ergänzen, was der Vleugels-Orgel
von 1968 fehlte. (Grundregister im 16' 8' und 4'-Bereich - vor allem Streicher- und Zungenregister.
Wir haben jetzt im Schwellwerk eine Palette von eng menustrierten, obertonreichen Registern, die sich von der tiefsten
Lage (Grossgampe 16') bis hin zur hellen Violine 2' erstreckt. Die weiten Flötenstimmen der Orgel werden ergänzt durch
die Flute harmonique 8' und die Matalltraverse 4'. Basson 16', Trompette harmonique 8' und Hautbois 8' erweitern die
Palette der Farben, die für die französisch-symphonische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts nötig ist. Diese Erweiterung
der Klangpalette wird noch potenziert durch die Sub- und Supperkoppeln, die durch die elektrische Registertraktur möglich
waren.
Die durchgreifende Überarbeitung der Hauptorgel schloss auch eine Neuintonation des Pfeifenwerks mit ein. Hierdurch
wurde ein hoher Grad an Monogenität von alten und neuen Teilen der Orgel gewährleistet, do dass sie wie aus einem
Guss wirkt. Klanglich nach unten abgerundet wird die Orgel durch den Untersatz 32', der mit seinen tiefsten Tönen fast die Hörgrenze
erreicht und vor allem körperlich wahrgenommen wird.
Neue Blendbögen übernehmen die Rundformen der Kirchenarchitektur
Das Äußere der Orgel wurde durch einen kleinen, aber entscheidenden
Eingriff aufgewertet: Die starren Rechtecke des Gehäuses, die etwas im Konflikt standen mit den weichen Rundformen
der Kirche, wurden durch Blendbögen verdeckt. So passt auch der Prospekt der Orgel in den wunderschönen neobyzantinischen
Raum und wird nicht mehr so als Fremdkörper empfunden, wie man nach der Kirchenrenovation den Eindruck haben konnte.
Die Orgel, soll zum Lobe Gottes ihre Stimme erheben
Ein neuer, großzügiger Spieltisch lädt die Organisten zum Spiel ein, damit die Orgel ihren Zweck erreiche:
Zum Lobe Gottes als klingendes Abbild der Gemeinde ihre Stimme zu erheben und allen Hörern eine Ahnung von der Herrlichkeit
Gottes zu vermitteln, die uns in der himmlischen Liturgie einst erwartet.
Michael Meuser M.A.
Erzbischöflicher Orgelinspektor
(Text aus Festschrift zur Orgeleinweihung am 9.12.2001)
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