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    05.11.2005
  • Bei "Radio Vatikan" über Papst und Kirche berichtet - Jürgen Erbacher aus Hardheim ist als Redakteur beim ZDF für "Kirche und Leben" zuständig, auch als Buchautor erfolgreich


    5.11.2005 Hardheim. Vor rund 15 Jahren wurde in Hardheim gemunkelt, dass der älteste Sohn der Familie Edwin Erbacher, Jürgen, Priester werden wolle. Der Grund für diese Annahme war: Jürgen Erbacher begann - nach dem Abitur 1990 am Buchener Burghardt-Gymnasium und einer Ausbildung zum Bankkaufmann bei der heutigen Sparkasse Tauberfranken - 1992 ein Theologiestudium in Freiburg. Doch er widmete sich nicht nur der katholischen Theologie. Jürgen Erbachers zweites Studienfach waren die Politikwissenschaften.

    Im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten betonte der Hardheimer Spross vor wenigen Tagen, dass nicht das Priesteramt, sondern der breite Bereich des Journalismus "schon immer" sein Ziel gewesen sei. An den Studienfächern katholische Theologie und Politikwissenschaften hätten ihn besonders die gegenseitigen Parallelen und Verbindungen fasziniert.

    Heute ist Jürgen Erbacher an seinem persönlichen Ziel angelangt und strahlt Zufriedenheit aus. Was 1994/95 mit zwei Auslandssemestern begann, trägt gerade in den letzten Monaten Früchte. Ein "zufälliges" Praktikum bei "Radio Vatikan" in Rom ließ Jürgen Erbacher nämlich nach dem Studienabschluss dorthin zurückkehren. 1999 bis 2002 arbeitete er in der italienischen Landeshauptstadt bei "Radio Vatikan" und nutzte die Zeit auch für ein Volontariat. Als Redakteur betreute Jürgen Erbacher im Funkhaus auf der Engelsburg die beiden deutschsprachigen Sendungen. Jeweils 15 Minuten lang standen aktuelle Nachrichten auf dem Programm. Interviewpartner aus und in der ganzen Welt waren gefragt; neue und alte Kirchenleute und Politiker weilten in Rom und der "kleine Radio-Vatikan-Bonus" erleichterte den Zugang zu diesen Persönlichkeiten. Die Papst-Reise ins Heilige Land im Jahr 2000 bezeichnete Jürgen Erbacher im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten als den Höhepunkt dieser Zeit; auch auf andere Reisen habe er Johannes Paul II. begleitet. "Weltkirche erleben" - das machte "Radio Vatikan" für Jürgen Erbacher aus. Sendungen in 40 verschiedenen Sprachen, Kollegen aus Brasilien, denen man mal eben so auf dem Flur begegnet, das englischsprachige Programm für Afrika - Internationalität pur.

    2002 ging Jürgen Erbacher zurück nach Deutschland. Mit den Schwerpunkten Ökumene, Weltkirche, Ethik und Internet arbeitete er fortan als Korrespondent für "Radio Vatikan" an dessen deutschen Sitz in Mainz. Seit dem 1. Januar diesen Jahres ist Jürgen Erbacher Redakteur beim ZDF. Im Mainzer Haupthaus ist er für die katholische Seite der Sparte "Kirche und Leben" zuständig. Im Rahmen der Berichterstattung zum Weltjugendtag war der Hardheimer sogar zweimal kurz als Reporter auf dem Bildschirm zu sehen. Sein Aufgabenfeld liege aber normalerweise nicht im "On", sondern eher im Hintergrund als Redakteur der Kirchenredaktion, betonte Jürgen Erbacher.

    Die Vorbereitung, Konzeption und Planung von Sendungen mit dem Schwerpunkt "Vatikan" und das Erstellen von Dokumentationen beschäftigen den 35-Jährigen. An seinem aktuellen Arbeitsplatz fasziniere ihn, Mitarbeiter eines "großen Hauses" zu sein, antwortete Jürgen Erbacher auf die Frage, was ihn bewogen habe, zum ZDF zu gehen. Auch 2005 stand, diesmal aus einem traurigen Anlass, die Reise nach Rom an: Zwei Stunden vor dem Tod Johannes Pauls II. kam Jürgen Erbacher dort an. Bei der Wahl des neuen Papstes bis zur Amtseinführung von Papst Benedikt XVI., ehemals Kardinal Joseph Ratzinger, war er "die ganze Zeit dabei". Drei größere Dokumentationen von je 30 Minuten, die Jürgen Erbacher zusammen mit einem zweiten Autor gemacht hat, waren im ZDF bisher zu sehen: "Habemus Papam. 100 Tage Papst Benedikt XVI." (Sendedatum 28. Juli), "Mit Kreuz und Pilgerrucksack. Auf dem Weg zum Weltjugendtag" (16. August) und "Sie nannten ihn den Löwen von Münster - Clemens August Kardinal von Galen" (12. Oktober). Im Rahmen einer Drehreise befand sich Jürgen Erbacher im Oktober 20 Tage in Rom; vor wenigen Tagen begannen in der Schweiz und im Vatikan Dreharbeiten für einen neuen Film, der nächstes Jahr im Mai gesendet wird.

    Die Themen "Vatikan" und "Religion" stoßen nicht zuletzt wegen des neuen deutschen Papstes auf großes Interesse, weiß der ZDF-Redakteur. Sein ehemaliger Arbeitgeber hat dies wohl auch erkannt. "Radio Vatikan" entschied sich, eine Buchreihe rund um Benedikt XVI. zu starten. Das erste Buch dieser Reihe, die unter "Edition Radio Vatikan" beim Leipziger "Benno-Verlag" erscheint, trägt den Titel "Benedikt XVI. - Gedanken, Impulse und Visionen" (ISBN 3-7462-1959-0). Herausgeber ist Jürgen Erbacher.

    An den Beginn des Buches stellt er sein Portrait des neuen Papstes, zu dem er als langjähriger Begleiter und Beobachter gelangt ist. "Joseph Ratzinger ist bekannt für seinen scharfen Intellekt, seine klaren Analysen, seine geschliffene Sprache und seinen weiten theologischen Horizont. Dafür zollen ihm auch seine Kritiker großen Respekt. Die Hoffnungen vieler Menschen ruhen gerade auf diesen Fähigkeiten des neuen Papstes angesichts der Herausforderungen, vor denen die Kirche, aber auch die Welt in Zeiten des Terrorismus, der Unsicherheiten und einer zunehmenden sozialen Ungerechtigkeit stehen. "Benedikt XVI. - ein Mann der klaren Prinzipien (...), ein exzellenter Theologe (...), ein Mann, der den Dialog sucht mit allen Menschen (...), ein Papst, der noch für so manche Überraschung gut ist". In den Kapiteln "Ich bitte euch um Vertrauen", "Das Zeugnis Papst Johannes Paul II.", "Christus zeigt den Weg zum richtigen Leben", "Seid Zeugen Christi in der Welt", "Die Kirche lebt!", Gottes Gebote führen zu Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden", "Der Einheit und dem Dialog verpflichtet" und "Die Liebe Gottes", lässt Jürgen Erbacher Papst Benedikt XVI. selbst zum Leser sprechen. Er gibt dessen Worte aus der Heiligen Messe zur Amtseinführung (24. April 2005), der Audienz für deutsche Pilger, der Inbesitznahme der Lateranbasilika, dem Festgottesdienst zu Peter und Paul und bei anderen Kirchenfesten, aber auch aus der Zeit als Kardinal von einem Vortrag zu den "Geistigen Grundlagen Europas" und einem umfassenden Interview von "Radio Vatikan" (14. April 2002) lediglich nach Themen geordnet wieder.

    Blder des stets lächelnden Papstes illustrieren die Texte; biographische Notizen runden das erste Buch Jürgen Erbachers ab. In Kürze wird ein drittes Buch in der "Edition Radio Vatikan" - Reihe beim Benno-Verlag erscheinen - das Zweite, an dem Jürgen Erbacher beteiligt ist.

    "Benedikt XVI. - Gedanken und Impulse für junge Menschen" enthält Texte und Bilder vom Weltjugendtag und die Grundgebete in Lateinisch und Deutsch. Für Hobbys hat Jürgen Erbacher wenig Zeit. Wandern und ins Kino gehen kommt zu kurz, "wenn man nebenher noch Büchle schreibt". Auch Besuche in Hardheim bei der Familie sind selten geworden; Freunde sind sowieso weit zerstreut. Bald hat Jürgen Erbacher Urlaub - und vielleicht etwas Zeit zum Lesen und Spazieren gehen am Meer. Karin Erbacher

    © Fränkische Nachrichten - 05.11.2005