FN-Umfrage zum konfessionsübergreifenden Miteinander "Wichtig sind die Gemeinsamkeiten derer, die an Christus glauben"
© Fränkische Nachrichten - Von unserem Redaktionsmitglied Ingrid Eirich-Schaab
Hardheim. Kirchenmusik verbindet im Geiste der Ökumene. Dafür ist der katholische
Kirchenchor St. Alban in Hardheim ein beredtes Zeugnis (siehe weiterer Bericht). Wie
Kirchenvertreter und Betroffene dieses - früher kaum vorstellbare und so nicht mögliche,
konfessionsübergreifende Miteinander sehen und dazu stehen, wollten die Fränkischen
Nachrichten in einer Umfrage erfahren.
Richard Leiblein, Dirigent des
Kirchenchores St. Alban: Das Lob Gottes zu singen und das Wort Gottes singend zu
verkünden, ist nicht Aufgabe der Katholiken oder der evangelischen Christen, nicht
Aufgabe der Alten oder der Jungen. Es ist Aufgabe aller, die sich von der Frohen
Botschaft anrühren lassen. So freue ich mich, dass in unserem Kirchenchor St. Alban
Sängerinnen und Sänger verschiedener Generationen und Konfessionen zu finden sind.
Alle, die gerne singen, aber sich noch nicht zu einem Beitritt entschließen konnten,
sind eingeladen, nach den Weihnachtsferien dienstags um 20 Uhr im Pfarrheim in eine
Singstunde zu "schnuppern".
Friedhelm Bräuer, evangelisch, Organist in
beiden Hardheimer Kirchen: Die Lutheraner, denen ich angehöre, stehen der
Katholizität am nächsten von allen evangelischen Gruppierungen. Als Lutheraner
kann ich mich ohne Einschränkungen zum Beispiel auch der Marienverehrung anschließen.
In unserer Zeit, in der der Zeitgeist teils gar nicht so christlich ist, müssen
alle Christen - egal ob katholisch oder evangelisch - zusammenstehen, weil die
Fundamente unseres Glaubens unangetastet sind. Der evangelische Gottesdienst ist
im Messeaufbau durchaus ähnlich dem katholischen, nur verkürzt. Was mich als
evangelischer Christ und Kirchenmusiker an der katholischen St. Alban-Kirche
besonders begeistert, ist die neue Vleugels-Orgel mit ihrer Klangfülle und den
faszinierenden Klangmöglichkeiten der integrierten alten und neuen Register.
Wichtig ist mir aber nicht nur die Kirchenmusik, sondern ebenso die theologische
Seite mit all den Gemeinsamkeiten der Menschen, die an Christus glauben.
Irmgard Farrenkopf, Vorsitzende des Kirchenchores St. Alban: Wir tragen durch
unseren Gesang zum Leben in der Gemeinde bei und pflegen den Schatz der geistlichen
und weltlichen Chormusik. Ich finde es schön, dass sich bei uns im katholischen
Kirchenchor auch evangelische Mitchristen wohlfühlen, und wünsche mir, dass dieses
Beispiel Schule macht. Heutzutage muss man einen Weg gehen zwischen Tradition und
Zeitgeist. Um weiter bestehen zu können und junge Leute anzusprechen, muss ein
Verein wie der unsere offener werden. Wir freuen uns jedenfalls über jedes neue
Mitglied, das Freude am Singen hat, egal welcher Konfession es angehört.
Irmela Günther, evangelisch, Sopranistin im Kirchenchor St. Alban: Für mich war
die Pflege des anspruchsvollen geistlichen Liedgutes Ansporn und Grund, dem
Kirchenchor St. Alban beizutreten. Vorher sang ich im Kammerchor in
Tauberbischofsheim bei Heinz Auner. Ich habe als Kind schon im Elternhaus
gerne gesungen, später in Mainz im Bach-Chor. Nach einer Pause und mehreren U
mzügen trat ich in Waldenhausen bei Wertheim dem "Chörle" bei, einem kleinen
evangelischen Kirchenchor. In Hardheim singe ich im Gesangverein mit. Auch im
Kirchenchor St. Alban wurde ich von Anfang an freundlich aufgenommen. Ich habe
mich dort sofort wohlgefühlt. Es war für mich nie ein Problem, katholische
Gottesdienste mitzugestalten.
Paul Schmollinger, evangelisch, Tenor
im Kirchenchor St. Alban: Im Hardheimer Kirchenchor fehlen Tenöre. Ich bin
deshalb gefragt worden, ob ich nicht Lust hätte mitzusingen. Ich singe gerne,
bin ja beispielsweise auch im Gesangverein aktiv, und hatte deshalb
grundsätzlich nichts gegen einen Beitritt einzuwenden. Vorsichtshalber fragte
ich jedoch den Dirigenten Richard Leiblein, ob es nichts ausmache, dass ich
evangelisch bin. Dieser meinte: "Durchaus nicht".
Hilde Greulich,
92 Jahre, ältestes noch aktives Mitglied im Kirchenchor St. Alban: Ich wurde
in einer Zeit geboren, in der so vieles anders war als heute, in der noch
Respekt und Strenge herrschten und das Religiöse auch im Alltag eine viel
größere Rolle spielte. Wir leben aber nicht mehr in der damaligen Zeit,
sondern jetzt und heute. Und deshalb muss man die jetzige Zeit annehmen
und akzeptieren wie sie ist. Ab einem gewissen Alter ist man abgebrühter,
legt nicht mehr alles so auf die Goldwaage wie vielleicht in früheren
Jahren und nimmt die Gegebenheiten, wie sie die Zeit erfordert und bringt.
Ich wünsche mir aber, dass das Singen im Kirchenchor seinen Sinn nicht
verliert und der eigentliche religiöse Hintergrund, die Verkündigung des
Wortes Gottes durch den Gesang, erhalten bleibt.
Franz Lang,
katholischer Pfarrer von Hardheim: Ich sehe den Kirchenchor, was die
Ökumene betrifft, als Teil der Gesamtgemeinde. Der Cäcilienverein ist
in dankenswerter Weise offen auch für evangelische Christen. Andererseits
ist es durchaus nicht selbstverständlich, dass diese in einem katholischen
Chor mitsingen. Der Kirchenchor ist in diesem Punkt Teil einer
Gesamtbewegung: Die Jugend hat ihren Lobpreisabend über Konfessionsgrenzen
hinweg, bei der Feier der Osternacht in der katholischen Kirche wirkten
evangelische Kirchenmusiker mit. Es ist schön, dass man hier in Hardheim
ganz selbstverständlich miteinander umgeht. Ich begrüße das sehr und weise
als Präses darauf hin, dass evangelische Mitsänger in unserem Kirchenchor
herzlich willkommen sind. Die meiste Literatur, die gesungen wird, ist
sowieso nicht speziell "katholisch" oder "evangelisch", sondern
christliches Liedgut.
Ralf Krust, evangelischer Pfarrer von Hardheim:
Es ist schön, dass die Ökumene auch im Kirchenchor St. Alban sichtbar wird.
Die Frage, die sich meiner Meinung nach stellt, ist die Frage nach dem
gesungenen Liedgut. Ich meine da gar nicht den Unterschied zwischen
katholisch und evangelisch, sondern viel mehr die Balance zwischen Tradition
und Moderne. Das geistliche Liedgut wandelt sich genauso wie das
weltliche. Ein Chor, der sich auch für das moderne Liedgut öffnet,
kann neue Mitglieder gewinnen. Die zweite Frage eröffnet sich in der
Beobachtung, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich regelmäßig
an einen Chor zu binden. Hier können neue Wege helfen. Zu besonderen
Anlässen wie Weihnachten bildet sich ein Projektchor der evangelischen
Gemeinde Hardheim-Höpfingen, der in einigen Proben Lieder einübt und
das Weihnachtsliedersingen am 2. Weihnachtstag unterstützt. Hier trifft
sich Jung und Alt. Einen weiteren, neuen Weg geht das ökumenische
Lobpreisteam, dass sich ganz dem modernen Liedgut aus der Liederbuchreihe
"Feiert Jesus" verpflichtet. Martin Luther hat gesagt: "Einmal gesungen
ist doppelt gebetet". Es wäre schade, wenn das gemeinsame Singen in
unserer Gesellschaft verloren gehen würde, weil damit ein Ventil für
unsere Seele und ein Ausdruck von Gemeinschaft fehlen würde.
Bernhard Berberich, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates Hardheim: Ich
begrüße die vielfältigen Zeichen der Ökumene vor Ort. Wenn sich katholische
und evangelische Christen im Sinne christlicher Ziele gemeinsam engagieren
und ihre Kräfte bündeln, ist es ein gutes und vorbildliches Zeichen.
Beispiele des Mitwirkens von Christen beider Konfessionen in Gruppen,
Vereinen und Initiativen gibt es genügend. Hierbei ist es unbedeutend,
ob diese ihren Ursprung im katholischen oder evangelischen Bereich haben.
Ich erinnere nur an die Teilnahme am KjG-Zeltlager, an die auf evangelischer
Seite initiierten Lobpreisabende, an ökumenische Bibelkreise und Bibelwochen,
im katholischen Kirchenchor und im sozialen Bereich. Dass sich die Christen
beider Konfessionen die Hand reichen, einander begegnen und kennen lernen
sowie über den Glauben sprechen, ist auch ein Anliegen unseres Erzbischofes
in Freiburg.
© Fränkische Nachrichten - 23.12.2006
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