"Ich leih’ dir was": Freude am Lesen soll geweckt werden




    Hardheim. "Ich leih’ dir was": Die Katholische Öffentliche Bücherei im ntergeschoss des Pfarrheims in Hardheim ist mittwochs von 16 bis 18.30 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Gemäß ihrem christlich/gesellschaftlichen Selbstverständnis will die KÖB - weit über ihren Auftrag als öffentliche Bücherei hinaus - ein Forum für Begegnungen und Gespräche sein. Es werden immer wieder neue, aktuelle Bücher eingestellt. Der aktuelle Bestand beläuft sich auf 3936 Titel: Neben Büchern - etwa die Hälfte davon ist Kinder- und Jugendliteratur - umfasst das Angebot Tonträger (Hörbücher und Musikkassetten), Spiele für Kleinkinder und Zeitschriften, die ebenfalls ausgeliehen werden können.

    50 Jahre lang hat Sophie Volkert in Alleinregie die Katholische Öffentliche Bücherei (früher Pfarrbücherei) mit viel Umsicht, Sachverstand und großem Engagement geleitet. Vor einigen Jahren gab sie die Verantwortung in jüngere Hände: Heute ist ein Team von Mitarbeiterinnen bemüht, die Angebote interessant und abwechslungsreich zu gestalten - allesamt durch eine bibliothekarische Grundausbildung qualifiziert für diese anspruchsvolle Aufgabe. Die Leitung obliegt Kornelia Benig und Gabriele Berberich. Mit ihnen gehören dem Büchereiteam an: Luitgard Hollerbach-Dahl, Ulrike Dietz, Andrea Klee, Michaela Leiblein-Breitinger, Rita Berberich, Carmen Eisenhauer und Nicole Wagner.

    Ziel der Mitarbeiterinnen ist es, "die Freude am Lesen auf vielseitige, spielerische Art zu wecken und zu zeigen, wie bereichernd Lesen sein kann", so Gabriele Berberich im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Dabei verstehe man sich keinesfalls als Konkurrenz zur Gemeindebücherei, auch wenn der Auftrag im Prinzip gleich ist: "Beide Büchereien haben ihren Stellenwert und bereichern das Angebot in Hardheim."

    Die Katholische Öffentliche Bücherei richtet ihre Buchauswahl nicht nur nach den Bestsellerlisten aus, sondern orientiert sich maßgeblich am christlichen Auftrag - was keinesfalls heißt, dass ausschließlich religiöse Bücher zu finden sind - und an den Empfehlungen des Borromäusvereins (katholischer Verein zur Verbreitung guter Bücher). Wertvolle Unterstützung erhält man von der Fachstelle für kirchliches Büchereiwesen in Freiburg.

    "Viele unserer Bücher ermitteln Werte und Normen, die für das Miteinander in der Gesellschaft unverzichtbar sind", so Gabriele Berberich gegenüber den FN.

    Einmal im Jahr, im November, organisiert die Katholische Öffentliche Bücherei zusammen mit der Buchhandlung Maring im Pfarrheim eine große Buchausstellung. Um das Angebot zu erweitern, vereinbarte man mit der Katholischen Öffentlichen Bücherei in Erfeld einen Blockaustausch von Büchern. Dadurch stehen zurzeit in Hardheim Heimatromane zur Verfügung.

    Für alle Generationen ermöglicht die Katholische Öffentliche Bücherei inzwischen weit über die Buchausleihe hinaus "Begegnungen" mit Büchern und kommt damit in vielfältiger Weise ihrem christlich/sozialen Auftrag nach: Kinder von vier bis sechs Jahren (einschließlich 1. Klasse) treffen sich zu den Veranstaltungen der "Lesemäuse". Für Kinder ab der 1. Klasse gibt es "Lesezeichen". Beim Pfarrfest beispielsweise organisierten Gaby Berberich und Beate Dietz ein "Lesecafé" für Erwachsene. Kornelia Benig gestaltete erstmals vor Ostern eine "Lesestunde für Senioren" im ASB-Altenpflegeheim.

    Der Strukturwandel nach dem Generationswechsel im Jahr 2000 trägt Früchte: Immer mehr Kinder nutzen die Vorlese- und Aktionsstunde der KÖB. So mussten beim Treffen der "Lesemäuse" vor Ostern erstmals zwei Gruppen gebildet werden, so groß war der Ansturm. Ulrike Dietz und Andrea Klee erhielten Unterstützung durch Evi Gehrig.

    Seit Mai 2004 - damals noch unter der Leitung von Michaela Leiblein-Breitinger - treffen sich die "Lesemäuse". Die nächsten Veranstaltungsangebote sind am 14. Juni (Thema Ferien), 20. September (Thema Herbst) und 29. November (Weihnachten) jeweils von 15.30 bis 16.30 Uhr im Pfarrheim. Mitzubringen sind Malstifte, Schere und Kleber. Anmeldung und weitere Informationen bei Ulrike Dietz, Telefon 0 62 83 / 61 88.

    "Lesezeichen" ist das Aktionsangebot für Kinder ab der 1. Klasse seit 2005 überschrieben. Unter Anleitung von Beate Dietz stöbern die Teilnehmer an ausgewählten Freitagen von 15 bis 17 Uhr "ganz aktiv, verknüpft mit Rätseln, Spielen und handwerklichem Tun", so die Ankündigung, durch "Bücher mit Pfiff": Am 19. Mai stehen "Joppe", am 23. Juni "Ein Pferd namens Milchmann" und am 14. Juli "Der verborgene Schatz" auf dem Programm. Anmeldung und Information bei Beate Dietz, Telefon 0 62 83 / 15 93. Ingrid Eirich-Schaab

    © Fränkische Nachrichten - 22.04.2006

    Wunderbare Geschichten zwischen zwei Buchdeckeln


    Hase Hoppel auf der Suche nach dem Frühling / "Lesemäuse" treffen sich im Pfarrheim zu Aktionsstunden / Vorlesen und Basteln



    Hardheim. Hase Hoppel auf der Suche nach dem Frühling. Ein aktuelles Thema, denn nicht nur die Kinder von vier bis sechs Jahren sehnen die wärmere Jahreszeit herbei. Aufmerksam hängen die Blicke der Kleinen an den Lippen der Vorleserin. Etwa 15 Kinder haben sich um Evi Gehrig geschart. Gespannt verfolgen sie die Geschichte. Ein Mädchen blickt traumverloren aus dem Fenster den vorbeifliegenden Tauben nach: Es ist Vorlese- und Aktionsstunde der "Lesemäuse" im Pfarrheim.

    Die Kinder sind in die Geschichte mit einbezogen. Immer wieder wird der Vortrag unterbrochen, um die Zeichnungen im Bilderbuch anzuschauen. Dann folgt diese bewährte Mischung aus Vorlesen, Erzählen und Frage-Antwort-Spiel, mit dem Evi Gehrig, Ulrike Dietz und Andrea Klee die Kinder bei Laune halten.

    Das Buch "Hoppel findet einen Freund" von Marcus Pfisterer steht - passend zur Osterzeit - auf dem Programm. Wen Hoppel wohl in der Höhle antrifft? Ohne Frage: "Den Bär", wissen die Kleinen. "Kennt Ihr die Geschichte etwa schon?", mutmaßt Evi Gehrig. "Ja, aus dem Kindergarten", hallt es aus mehreren Ecken. Trotzdem verliert die Vorlesestunde dank der geschickten Aufarbeitung nichts von ihrer Spannung.

    "Riecht Ihr auch schon den Frühling?" Ein allgemeinen tiefes Schnuppern beginnt. "Nein. Aber im Garten habe ich schon eine Hummel gesehen", wirft ein kleinen blondes Mädchen zaghaft ein. "Bei uns im Garten sind schon Schneeglöckchen". "Bei uns auch", werden die Kleinen lebendiger.

    Zurück zu Mama Schneehase stellt Hoppel traurig fest: "Ich habe den Frühling nicht gefunden: im Erdloch nicht, in der Höhle nicht und ganz oben im Astloch nicht. "Den Frühling kann man nicht finden, er kommt", klärt Mutter Hase auf. Dafür hat Hoppel einen neuen Freund gefunden. "Den Bär", wissen die Kinder, die - plötzlich "auch ganz müde" - die Geschichte so richtig mitleben.

    "Dann wollen wir schnell an den Tisch und mit dem Basteln beginnen", lädt Ulrike Dietz zum Ortswechsel ein. Schon ist alle Müdigkeit vergessen. Stolz präsentiert ein Junge seinen neuen Kleber. "Ich habe keinen Stuhl", zieht ein Mädchen die Aufmerksamkeit von Andrea Klee auf sich. Nur für kurze Zweit wird es ruhiger: Das Ausschneiden der auf farbigem Pappkarton aufgezeichneten Osterhasen fordert die ganze Konzentration. "Ich finde meine Schere nicht", hallt es weinerlich aus der hintersten Ecke. Ulrike Dietz, Evi Gehrig und Andrea Klee haben jetzt alle Hände voll zu tun. Sie helfen den Jüngsten beim Ausschneiden, loben die etwas Älteren für ihr Geschick. Hier fehlt eine Kordel, dort die Schleife. Schließlich muss noch ein Wattebausch als Stummelschwanz aufgeklebt werden. "Guck mal", stolz hält Felix seine fertige Ostergirlande in die Höhe.

    Außen warten schon die Mütter. Freudig werden die kleinen Kunstwerke vorgeführt. Schnell müssen noch die Lesemäuse-Ausweise abgestempelt werden: Für jede Teilnahme an einem Aktionsnachmittag gibt es einen Stempel. Regelmäßige Teilnahme wird später belohnt.

    "Unsere Kinderbücher sind sorgfältig ausgewählt", verdeutlicht Gabriele Berberich, Leiterin der Katholischen Öffentlichen Bücherei, nach dem Gruppenfoto im Gespräch mit den FN. Die Aktionsnachmittage seien alles andere als eine "Beschäftigungstherapie": "Unser Ziel ist es, schon die kleinen Kinder mit Büchern vertraut zu machen, sie zum Betrachten und später selbstständigen Lesen hinzuführen. Sie sollen erfahren, welch wunderbare Geschichten zwischen zwei Buchdeckeln entdeckt werden können." i.E.

    © Fränkische Nachrichten - 22.04.2006