Jahresabschlusspredigt von Pfarrer Franz Lang

    /Geistlicht nimmt beim Thema Missbrauch kein Blatt vor den Mund / Aber auch viel Positives getan 2010 auch ein "Jahr des Herrn"

    Hardheim. Gehaltvoll, aufschlussreich und überzeugend wie alle seine Predigten war auch die von Pfr. Franz Lang in der hl. Messe zum Jahresabschluss am Freitag. Darin begründete er gleich eingangs seine Ansicht, trotz der äußerst schlimmen Missbrauchsfälle in der Kirche von der Beurteilung von 2010 als "schrecklichem Jahr" nur deshalb abzusehen, weil dem vielfältigen schrecklichen Geschehen all das gegenübergestellt werden könne, was vielen in der Kirche zum Segen gereichte.

    Frevelhaftes Tun

    Der Prediger nahm in Anbetracht der zahlreichen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche allerdings kein Blatt vor den Mund und verurteilte solch frevelhaftes und verabscheuungswürdiges Tun nachdrücklich. Er bat zu beachten, dass man sich bei all diesen Missbrauchsfällen nicht über den Vorwurf "so sind sie eben" wundern dürfe. Daher seien die Schritte der Kirche im Bemühen um Aufklärung unverzichtbar und ebenso alle Maßnahmen zur "Wiedergutmachung". Außerdem müsse natürlich alles getan werden, dass solche Dinge nicht mehr vorkommen und vermieden werden. Ansonsten sieht Pfarrer Lang die Glaubwürdigkeit der Kirche auf Dauer infrage gestellt und belastet.

    Bei all diesem Unrecht und schrecklichen Tun dürfe andererseits das nicht übersehen werden, was vielen durch die Kirche zum Segen wurde, betonte der Geistliche. Daher glaubte er sagen zu können, dass 2010 trotz allen schlimmen Geschehens dennoch kein "schreckliches Jahr", sondern wie viele andere auch ein "Jahr des Herrn" unter Gottes schützender Hand war. Unter diesem Aspekt dürfe und müsse man insbesondere auch über erfreuliche Dinge in der Pfarrgemeinde reden, in der viele Ereignisse stattfanden, die deutlich werden ließen, dass viel Positives getan wurde und Gott dazu seinen Segen schenkte.

    22 Taufen

    Aus diesem Blickwinkel wollte Pfarrer Lang auch das Geschehen in der Pfarrgemeinde betrachtet wissen, das er mit Zahlen verdeutlichte. Beim Blick auf die 22 Taufen in der Pfarrgemeinde erwähnte er mit Freude, dass die meisten jungen Eltern der Täuflinge vom Angebot der intensivierten Taufvorbereitung Gebrauch machten und sich dabei auch inhaltlich mit der Bedeutung der Taufe auseinandersetzten. In Verbindung mit der Vorbereitung der 28 Kinder auf die Erstkommunion, konstatierte Pfarrer Lang mit Genugtuung die Überwindung bestehender Distanz und anerkannte im Hinblick auf die nicht leichte Firmvorbereitung, dass sich die Mehrheit der 70 Jugendlichen bei allen ob ihres Alters vielfach anders gelagerten Interessen auf diese und auf die Spendung dieses Sakraments einließen.

    Dass die 17 Brautpaare Aufmerksamkeit auf die sinn - -und gehaltvolle Gestaltung ihrer Trauung sowie auf Inhaltliches und nicht nur auf Äußerlichkeiten legten, war dem Geistlichen ebenfalls Anerkennung wert. Bezüglich der mit elf Austritten gegenüber den Vorjahren dreifachen Zahl stufte er jeden Einzelnen, der ging, als Verlust ein. Er bedauerte, dass von allen von ihm angeschriebenen Personen lediglich zwei reagierten. Er respektierte die Entschlüsse zum Austritt aus der Kirche hinsichtlich der Missbrauchsfälle, hielt es andererseits aber auch für wichtig, das Ganze zu sehen. Dass eine Person zur Kirche zurück fand, stellte für ihn eine Freude dar. 46 mal stand man am Grabe von Gemeindemitgliedern, die zuvor die Gottesdienste mitgefeiert hatten, zur Gemeinde gehörten und deren Platz nun leer ist. Zu deren Gedenken wurde im Turmzimmer ein Buch angelegt, das zeigen soll, dass sie weiter dazu gehörten und die Gemeinde über den Tod hinaus mit ihnen verbunden bleibe.

    Der Pfarrer wies außerdem auf weitere einige Beispiele segensreicher Ereignisse in der Pfarrgemeinde hin. So dankte er dafür, dass sich bei der Pfarrgemeinderatswahl eine ausreichende Zahl von Kandidaten zur Verfügung stellte. Insbesondere auch das Engagement bei der Renovierung des Pfarrheims, das an fleißigen Händen und Spenden ersichtlich wurde, war ihm Freude und Grund zu Dankbarkeit. Nachdem Pfarrer Lang am Beginn des Gottesdienstes empfohlen hatte, alles, was das Jahr gebracht hatte, in Gottes Hände zu legen, schloss er seine Predigt mit der Empfehlung, Gleiches auch hinsichtlich des neuen Jahres zu tun. Er schloss mit einem Gedanken J. Kleppers, der die Bitte und Hoffnung geäußert hatte, Gott möge die Lasten wandeln und zum Segen werden lassen. In solchem Vertrauen empfahl er den Gläubigen in das neue Jahr 2011 zu gehen, mit Gottes Hilfe um die Erneuerung der Kirche und einander zum Segen zu werden bemüht zu sein. Am Schluss des Gottesdienstes schließlich bedankte sich Pfarrer Lang bei allen, die sich im abgelaufenen Jahr als haupt- oder ehrenamtlich Tätige in der Pfarrgemeinde engagierten und gab allen Gottes Segen mit auf den Weg ins neue Jahr. Z

    Fränkische Nachrichten

    03. Januar 2011