Professor Alexander Fiseisky und das Gnessin-Barock-Orchester in Hardheim

    Vorzügliche Spieltechnik,Empfindungsreiche Interpretation

    Von unserem Mitarbeiter Martin Bernhard (Fränkische Nachrichten)

    Hardheim. Ausdrucksstark, zart und einfühlsam hat Alexander Fiseisky gemeinsam mit dem Moskauer Gnessin-Barock-Orchester am Sonntagabend in der Hardheimer Pfarrkirche St. Alban die sechs Orgelkonzerte von Georg Friedrich Händel interpretiert. Am Ende erhoben sich die rund 200 begeisterten Besucher von den Bänken und forderten mit anhaltendem Applaus eine Zugabe.

    Ursprünglich hatte Händel die sechs Orgelkonzerte sozusagen als "Pausenfüller" gedacht. Der kompositorische Schwerpunkt des Barock-Komponisten, der vor 250 Jahren gestorben ist, lag auf Opern und Oratorien. Damit sich das Publikum in den Bühnenumbauphasen zwischen den Akten nicht langweilte, unterhielt es Händel unter anderem mit eben diesen Orgelkonzerten, die am Sonntag in Hardheim zur Aufführung kamen. Dementsprechend klein war die Besetzung dieser Werke: ein kammermusikalisches Orchester, ein Cembalo sowie eine einmanualige Orgel.

    Authentische Interpretation

    Und in genau dieser Besetzung begann das Konzert. Man hatte im Altarbereich eine Vleugels-Glasorgel ins Zentrum gerückt, um die sich das Gnessin-Barock-Orchester und das Cembalo gruppierten. Fiseisky begann mit den Konzerten 5 und 3. Der Moskauer Musikprofessor interpretierte die Stücke sehr lyrisch. Die melodischen Läufe glitten leicht auf und ab.

    Gemeinsam mit dem Orchester und dem Cembalo entfaltete sich ein ausgewogenes Zusammenspiel. Der Wechsel von melodischen und kontrapunktischen Phasen zwischen Soloinstrument und Ensemble war fließend, ebenso der Wechsel zwischen ruhigeren und temperamentvolleren Abschnitten.

    Nach diesen beiden Konzerten wurde das Cembalo abgebaut und auf die Empore getragen. Während dieser Umbauzeit erläuterte Alexander Fiseisky im Gespräch mit Orgelbaumeister Hans-Georg Vleugels die Entstehungsgeschichte der Konzerte. So habe man für die Aufführung bewusst eine kleinere Orgel wie die Glasorgel ausgewählt, da diese dem ursprünglichen Charakter der Konzerte am nächsten komme.

    Händel habe sich zunächst auf Werke mit kleineren Orgeln konzentriert, später aber auch für größere Soloinstrumente komponiert. Um dem Stil der Konzerte gerecht zu werden, schöpfte Fiseisky jedoch das Klangvolumen der großen Vleugels-Orgel auf der Empore später nicht aus. "Wir werden nur einen Teil der großen Orgel benutzen", kündigte er an.

    Dementsprechend ging es dann musikalisch von der Empore mit den Konzerten 2, 6, 1 und 4 weiter. Das Cembalo sorgte für eine besondere Klangfarbe.

    Das Klangerlebnis insgesamt selbst schien von der Höhe herab voller und dichter zu sein. Auch hier zeigte Professor Fiseisky seine vorzügliche Spieltechnik, seine empfindungsreiche Interpretation. Orchester, Cembalo und Orgel waren nahezu perfekt aufeinander abgestimmt. Die Musiker boten den Zuhörer ein Konzert auf höchstem Niveau.

    Professor Alexander Fiseiky ist Solo-Organist der Moskauer Staatlichen Philharmonischen Gesellschaft, Direktor der Orgelabteilung an der Russischen Gnessin Musikakademie, Präsident des Wladimir Odojewskij Orgelkunstzentrums, künstlerischer Direktor vieler internationaler Orgelfestivals sowie Jurymitglied bei internationalen Wettbewerben.

    Das Gnessin-Barock-Orchester besteht erst seit wenigen Jahren. Es setzt sich aus den besten Studenten der Gnessin-Musikakademie zusammen.

    Bernhard Berberich vom Freundeskreis "Erftaldomorgel", der gemeinsam mit der Pfarrgemeinde die Orgelkonzertreihe veranstaltet, freute sich zu Beginn des Konzerts, international so renommierte Musiker in Hardheim präsentieren zu dürfen.

    Für den November kündigte er ein neues Glanzlicht an: So singt am 8. November, um 18 Uhr im Erftaldom die Sopranistin Dorothee Laux aus Limburg, an der Orgel begleitet von dem Limburger Domorganist Professor Markus Eichenlaub.

    Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.erftaldomorgel.de

    Fränkische Nachrichten
    15. September 2009