Galakonzert des Don Kosaken Chores Wanja Hlibka
50-Jahr-Sängerjubiläum von Robert Ries
Von FN Redaktionsmitglied Ingrid Eirich-Schaab
Hardheim. Eine atemberaubende Klangkulisse entfaltete der Don Kosaken Chor Wanja Hlibka am
Sonntagabend in der Hardheimer Pfarrkirche. Gebannt lauschten die etwa 180, großteils von
auswärts angereisten Zuhörer den Stimmwundern aus dem tiefen Russland. Sie ließen sich
verzaubern von der Wirkkraft dieser exzellenten Sänger, dankten mit lautstarkem Beifall
nach jeder Darbietung sowie Standing Ovations am Ende des Galakonzertes für dieses
großartige Hörerlebnis. Kontrastierend dazu, aber nicht minder eindrucksvoll, zu Beginn
vier innig-verhaltene, andachtsvolle Darbietungen des in Buchen lebenden lyrischen Tenors
Robert Ries.
50-Jahr-Sängerjubiläum
Für ihn hatte der Auftritt eine ganz
besondere Bedeutung, wie Pfarrer Franz Lang in seiner Begrüßungsansprache erläuterte.
Denn Robert Ries feierte - just auf den Tag genau - sein 50-Jahr-Sängerjubiläum:
Als Elfjähriger sammelte er bereits Konzerterfahrung als Vorsänger im Kirchenchor
seines Heimatortes Miesenheim. Am Sonntag wurde er sehr einfühlsam von Thomas Martin
aus Laudenbach an der Orgel begleitet.
"Singen in der Kirche ist für mich Gebet",
sagt er über sich selbst. Und die Musikfreunde hörten Robert Ries bei diesem "Beten"
andächtig zu. Denn er interpretiert sensibel, textorientiert und überzeugend mit so viel
Gefühl und Einfühlungsvermögen, dass man ihm ohne Zögern glaubt, was er singt. Sei es
im Arioso "Dank sei dir, Herr" von Georg Friedrich Händel, "Panis angelicus" aus der
"Feierlichen Messe" von César Franck, bei dem "Vater unser" von C. Krebs oder der
kleinen Arie "Caro mio ben" von G. Giordani.
Der Don Kosaken Chor Wanja Hlibka -
mit sparsamer Gestik souverän geleitet - zählt zu den besten A-cappella-Gruppen der Welt.
Das stellten die Sänger um Vizedirigent Vladimir Pasdriy in Hardheim einmal mehr unter
Beweis.
Hochkarätige Spitzensolisten
In kleiner, für den Kirchenraum aber
völlig ausreichender Besetzung - für manch einen Zuhörer war es so schon fast zu laut -
brillierten die zehn hochkarätigen Spitzensolisten mit einem einzigartigen Spektrum an
Klangfarben. Beginnend mit der spielerisch zarten Untermalung der Soloparts bis hin zu
einem stimmgewaltigen, fulminanten orchestralen Gesamtklang, der wie ein heftiger Orkan
durch den Erftaldom brauste und den Eindruck vermittelte, einen weitaus größeren Chor
vor sich zu haben.
Man spürte am ganzen Körper die Kraft und Intensität der
Stimmen, wurde erfasst von einem durchdringenden Schauer, von großer Ehrfurcht und
Respekt vor der Allmacht Gottes und seiner Schöpfung.
Der Zauber der russischen
Musik entfaltete sich in dem dicht gewebten Klangteppich in seiner ganzen Fülle.
Die zehn "Don Kosaken" - jeder von ihnen ein hochbegabter Solist und zugleich
disziplinierter Chorsänger - begeisterten mit ihren kraftvollen, herrlich
timbrierenden Stimmen, technischer Perfektion und einem immensen Tonvolumen über mehrere
Oktaven und lange Phrasierungen.
Der erste Teil des Konzertes mit seinen geistlichen
Gesängen war Gottes-Dienst und musikalischer Lobpreis vom Feinsten. Er hinterließ ein tief
empfundenes Gefühl der Dankbarkeit und Ergriffenheit, ließ Gottes Liebe und Größe, aber
auch die innige Bitte um Erbarmen spürbar werden durch die Ausdruckskraft der
menschlichen Stimme. Eindringlich verhalten, vom zartesten Pianissimo bis zum
tosenden Fortissimo in seiner ganzen, aufrüttelnden Urgewalt. Es bedurfte dabei
keiner großen Erklärungen.
Der Funke der Begeisterung sprang bereits beim ersten
Beitrag über auf die Zuhörer. Man verstand sich, konnte sich einfühlen, ohne den genauen
Wortlaut der russischen Texte zu kennen.
Die Hardheimer Kirche mit ihrer reich
bebilderten Ausgestaltung bot einen würdigen Rahmen, der sehr an die Ausdruckskraft
russisch-orthodoxer Kirchen erinnerte.
Volksweisen für Herz und Gemüt
Der zweite Teil des Programms mit bekannten und beliebten Volksweisen aus dem alten
Russland - so beispielsweise der bekannten "Ballade von den zwölf Räubern" - sprach
dann in noch stärkerem Maße Herz und Gemüt an. So mancher Zuhörer summte plötzlich mit,
als die "Abendglocken" und das "Einsame Glöcklein" durch den Kirchenraum hallten.
Ergriffen erklatschten sich die begeisterten Zuhörer am Ende bei stehenden Ovationen unter
anderem "Ich bete an die Macht der Liebe" als Zugabe.
"Das ist unglaublich, was diese
Sänger für eine Technik haben. Unnachahmlich schön", begeisterte sich Kirchenmusiker
Werner Voltz aus Aschaffenburg. Er sprach damit vielen Zuhörern aus dem Herzen.
Fränkische Nachrichten
03. März 2009
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