Erzbischof Robert Zollitsch Ehrendoktor der Warschauer Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität

    Europa gestalten - Erzbischof Robert Zollitsch erhielt den Ehrendoktortitel der Warschauer Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität



    Rektor Ryszard Rumianek und sein Vorgänger, der ehemalige Rektor Prof. Dr. Roman Bartnicky übereichen Zollitsch die Ehrendoktorwürde.







    Prof. Dr. Roman Bartnicky, der in Hardheim allseits bekannte "Pfarrer Roman aus Polen" wird auch in diesem Jahr wieder - vom 23.07. bis 14.08.08 - die Ferienvertretung in der Seelsorgeeinheit Hardheim übernehmen.



    Ehrenpromotionen haben ihre eigenen Gesetze. Was muss der Geehrte vorzuweisen haben? – Das kann sehr Verschiedenes sein. Wie kommt man an einen Doktortitel honoris causa? – Nicht, indem man sich darum bemüht. Wer bekommt den Titel von welcher Universität? – Das hängt von vielen Faktoren ab. Wer ehrt eigentlich wen, die Universität den Empfänger des Titels oder der Empfänger des Titel mit seiner Bereitschaft, den Titel anzunehmen, die Universität, die ihm ihn verleiht? – Das ist gar nicht so leicht zu sagen.
    Bei Erzbischof Robert Zollitsch und der Warschauer Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität ist dies nicht anders. Erzbischof Zollitsch versicherte mehrfach, dass ihn die Anfrage aus Polen sehr überrascht habe. Im Herbst 2007 erreichte ihn diese, lange vor der Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Als man im Frühjahr in Warschau hörte, der Auserwählte sei von seinen Bischofskollegen zum neuen Konferenzvorsitzenden gewählt worden, sah man die eigene Wahl zusätzlich bestätigt.

    Die Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität ist nicht irgendeine Universität. Entstanden ist sie aus der ehemaligen „Akademie für Katholische Theologie“, die aus der Zeit stammt, als der kommunistische Staat Polen in den 50er-Jahren Theologie nicht länger in der Warschauer Universität duldete. In einem früheren Kloster im Warschauer Vorort Bielany siedelte sich diese Akademie an. Es handelte sich damals bereits um eine staatliche Einrichtung, deren Status aber zwischen Kirche und Staat umstritten blieb. Das änderte sich erst 1989 mit dem Ende der kommunistisch beherrschten Volksrepublik Polen.

    Zehn Jahre später, 1999, er-hielt die „Akademie für Katholische Theologie“ Universitätsstatus. 19000 Studenten studieren heute an ihr – allein 3000 das Fach Theologie. Im Warschauer Stadtteil Mlociny entstand unterdessen auf einem ehemaligen Kasernengelände ein zweiter Campus. Drei der insgesamt sieben Fakultäten gelten als so genannte „kirchliche Fakultäten“ – ihre Dozenten benötigen die „Missio canonica“. Großkanzler der Universität ist der jeweilige Erzbischof von Warschau – seit 2007 ist dies Erzbischof Kazimierz Nycz.

    Wer war der Namensgeber der Universität, Kardinal Stefan Wyszynski (1901–1981)? Wer heute durch das wirtschaftlich boomende Warschau fährt, kann sich kaum mehr in jene Zeit der Volksrepublik Polen zurückversetzen, in der dieser Kirchenmann eine Schlüsselrolle in Kirche und Staat spielte. Als Erzbischof von Gnesen und Warschau vereinigte er den Titel des Primas Poloniae, das Amt des Erzbischofs von Warschau und den Vorsitz in der Polnischen Bischofskonferenz in seiner Person. In der kommunistischen Zeit vermied man alles, was dem Staat die Möglichkeit hätte bieten können, Bischöfe gegeneinander auszuspielen. Man versammelte sich geschlossen hinter Kardinal Wyszynski.

    Verdienste um die deutsch-polnische Versöhnung

    Heute sind diese Funktionen auf drei Bischöfe verteilt: Erzbischof Jozef Michalik von Przemysl ist Vorsitzender der Bischofskonferenz; der Primastitel wird auf den Erzbischof von Gnesen, Henryk Muszynski, übergehen, wenn der frühere Warschauer Erzbischof und Nachfolger Wyszynskis, Kardinal Jozef Glemp, sein 80. Lebensjahr erreicht hat. Kardinal Wyszynski steht für jene Epoche des Landes, in der die katholische Kirche die einzi-ge nennenswerte oppositionelle Kraft im Lande darstellte. Er ist die Symbolgestalt des Widerstands der Kirche gegen den kommunistisch-atheistischen polnischen Staat und damit der Wahrung der christlichen Identität des Landes. Neben Karol Wojtyla ist er die zweite große Gestalt der katholischen Kirche in Polen. Eigentlich sogar die erste, denn wie es Papst Johannes Paul II. selbst einmal sagte, ohne Kardinal Wyszynski hätte es keinen Polen auf dem Stuhle Petri gegeben. Mit dem Namen Stefan Wyszynski verbindet sich auch der berühmte Briefwechsel zwischen den polnischen und den deutschen Bischöfe 1965, gegen Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die polnischen Bischöfe reichten damals, zwanzig Jahre nach Kriegsende, den deutschen Amtsbrüdern die Hand zur Versöhnung („Wir vergeben und wir bitten um Vergebung“). Dieser Schritt gilt als Meilenstein der deutsch-polnischen Annäherung – weit über den kirchlichen Raum hinaus. Die polnischen Bischöfe bewiesen damit einigen Mut – im eigenen Land war dieser Vorstoß weder im Volk populär, noch war er vom Staat gerne gesehen.

    Das damalige Anliegen der polnischen Bischöfe ist bis heute aktuell – wie man an dem Ehrendoktor für Erzbischof Zollitsch sieht. Mit ihrer Auszeichnung würdigte die Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität dessen Verdienste um die deutsch-polnische Versöhnung. In seiner Laudatio skizzierte der Theologe und Jesuit Jozef Kulisz Zollitschs Kontakte als Direktor des Freiburger „Collegium Borromaeum“ mit polnischen Priesterseminaren. Ziel dieser Kontakte sei vor allem die Hilfe für die Bibliotheken gewesen – die Versorgung mit Zeitschriften und Büchern. Hinzu seien die Stiftung von Fremdsprachenstipendien für Priester und Mönche gekommen sowie Stipendien für das Theologiestudium in Deutschland, in Rom und in Österreich. In Freiburg erinnert man sich vor diesem Zusammenhang noch gut an die Teilnahme des Krakauer Erzbischofs Franciszek Macharski bei der Bischofsweihe von Robert Zollitsch im Jahre 2003.

    Mit einer Delegation nach Warschau

    In seiner Dankesrede ging Erzbischof Zollitsch auf die Bedeutung christlicher Werte für Europa ein: Aus der langen kulturellen und geistigen Tradition Europas seien diese nicht herauszulösen. Er bedauerte, dass es nicht gelungen sei, im Vertrag von Lissabon Formulierungen zu finden, die der Geschichte Europas in dieser Hinsicht tatsächlich gerecht würden und die das Christentum als die „bedeutendste Wurzel des Kontinents“ anerkennen. Trotzdem heiße dies nicht, dass man sich als Kirche resigniert zurückziehen dürfe. Die Kirche solle den europäischen Einigungsprozess kritisch, aber konstruktiv begleiten. Christen seien gefordert, das europäische Einigungswerk, das in seinem Innersten ein Werk der Versöhnung sei, mitzugestalten.

    Einer der Vorgänger von Erzbischof Zollitsch als Ehrendoktor der Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität ist – Papst Johannes Paul II. Im Unterschied zum Freiburger Erzbischof musste dieser sich im Jahre 2001 allerdings nicht nach Warschau begeben, um die Auszeichnung entgegenzunehmen. Erzbischof Zollitsch dagegen reiste mit einer Delegation nach Warschau – zu ihr gehörten unter anderem Weihbischof Rainer Klug, Domdekan Wolfgang Sauer und Professor Klaus Baumann, Prodekan der Freiburger Theologischen Fakultät – außerdem Pater Hans Langendörfer SJ, der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz. Zusammen mit Erzbischof Zollitsch wurde diese Delegation sowohl vom Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Michalik (im Warschauer Sekretariat der Bischofskonferenz), als auch von Erzbischof Nycz (im Erzbischöflichen Palais) herzlich und gastfreundschaftlich empfangen. Am Empfang durch den Warschauer Erzbischof nahm auch der erste frei gewählte Ministerpräsident Polens teil, der heute 81-jährige Tadeusz Mazowiecki. Der Publizist war am Widerstand katholischer Intellektueller gegen den kommunistischen Staat beteiligt, arbeitete als Berater der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc und hatte 1989/1990 anderthalb Jahre lang das Amt des Ministerpräsident inne. Für die Anwesenheit von Mazowiecki zeigte sich Zollitsch besonders dankbar. In seiner Tischrede bezeichnete er ihn als ein Beispiel dafür, wie Christen sich einsetzen könnten, um Europa zu gestalten. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde an den Freiburger Erzbischof war Teil eines jährlich begangenen Festtags an der Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität. Jedes Jahr am 28. Mai, dem Todestag des Namensgebers, verleiht die Universität im Rahmen einer Feierstunde unterschiedliche Doktortitel, darunter auch einen Ehrendoktor. Dabei kommen die traditionellen akademischen Formen wirkungsvoll zum Tragen: Während man in den Jahren um 1968 in ganz Europa unter den Talaren vor allem „den Muff von tausend Jahren“ auszumachen meinte, findet man heute wieder Gefallen an farbenprächtigen akademischen Bräuchen mit viel Latein – so ändern sich die Zeiten, auch in Warschau. Dass mit Zollitsch der Bischofskonferenzvorsitzende geehrt wurde, gab der Ehrung zusätzliches Gewicht. Um die deutsch-polnischen Beziehungen ist es zurzeit bekanntlich nicht besonders gut bestellt. Auch wenn sich mit dem Regierungswechsel in Warschau einiges entspannt hat, bleiben Missverständnisse auszuräumen. In Kirche und Theologie sieht es nur unwesentlich besser aus. Erzbischof Zollitsch bekannte sich in seiner Dankesrede zur Notwendigkeit weiterer Kontakte und Bemühungen: Er verstehe die Ehrendoktorwürde als Verpflichtung, weiterhin „Brücken und Wege zwischen den Menschen in unseren Ländern, zwischen den Menschen in Europa“ zu bauen. Da gibt es noch einiges zu tun. Autor: Klaus Nientiedt Artikelübersicht des Konradsblatts Nr. 24 vom 15.06.2008