Waldstetten: Männertag im Schönstattzentrum

    Mann und Vater sein aus Berufung

    Waldstetten. " Mann sein und Vater sein als Berufung" war das Thema, mit dem der " Tag der Männer" im Schönstattzentrum Mariengart überschrieben war. Wie in den vergangenen Jahren trafen sich in der Fastenzeit rund 60 Männer, die vom Taubertal bis zum Odenwald angereist waren, um Rektor Dr. Rainer Birkenmaier aus Oberkirch zu hören.

    Bei seiner Vorstellung stellte sich heraus, dass ihm das Madonnenländchen nicht unbekannt ist, da er neun Jahre lang das Konvikt in Tauberbischofsheim besuchte. Dazu bemerkte er, dass im Jahr seines Eintritts in das Konvikt (1957) der Oberzensor (Aufpasser) in seinem Studiersaal Robert Zollitsch war: " Damals war er schon mein oberster Chef und ist es bis zum heutigen Tag geblieben."

    Im ersten Teil seiner Ausführungen setzte sich Dr. Birkenmaier mit der Frage auseinander, was Berufung ist. Er stellte die provozierende Frage : Sind wir als gewöhnliche Leute wirklich Berufene?

    Dann führte er weiter aus: "Die Kirche besteht zu 99 Prozent aus Laien. Wenn diese kein Berufungsbewusstsein haben, ist das ein großer Mangel in unserer Kirche."

    In einem kurzen geschichtlichen Rückblick zeigte er auf, dass schon der Apostel Paulus im Korintherbrief schrieb: "An die berufenen Heiligen". Auch die Christen in den ersten Jahrhunderten fühlten sich als Berufene und mussten ihr Bekenntnis zu Christus häufig mit dem Leben bezahlen.

    Dann wurde der Begriff eingeengt auf Mönche, Priester und Ordensleute. "Das Fundament jedoch", so Dr. Birkenmaier, "ist die Berufung durch die Taufe. Alle Getauften sind Berufene und die Kirche ist die Gemeinschaft der Berufenen; allerdings mit unterschiedlicher Ausprägung." Die fünf verschiedenen Dimensionen der Berufung verdeutlichte er am Bild eines Baumes. Er zog das Resümee: "Berufung endet nicht mit einer einmaligen Entscheidung, vielmehr ist sie ein Reifungsprozess, eine Lebensaufgabe, die von Gott kommt, in uns lebt und uns drängt, bis wir sie immer klarer sehen und ganz dafür leben. Natürlich werden uns dabei Hindernisse und Krisen nicht erspart bleiben."

    Der zweite Teil des Referats befasste sich mit der Zweitursachenlehre. Gott sei die erste Ursache im Heilgeschehen des Menschen; aber er nehme die Menschen (zum Beispiel die Eltern) in seinen Dienst. Er mache alles, aber nichts allein. Er brauche Menschen (Zweitursachen), die sich ihm zur Verfügung stellen, damit er sie gebrauchen könne, um Menschen zu heilen und an sich zu binden.

    Nach Meinung Pater Kentenichs, des Gründers der Schönstattbewegung, liegt das Glaubensproblem des modernen Menschen nicht in der Theologie oder der Liturgie, sondern auf der Ebene der menschlichen Vermittlung, also der Zweitursachen. Die entscheidende Vorerfahrung im Leben, so Pater Kentenich, sei die Erfahrung des Kindes mit seinen Eltern. Was dort verletzt oder versäumt wurde, müsse geheilt werden, damit der Mensch zu Gott finden könne. In jedem Menschen stecke der " Urtrieb", ein geliebtes Kind zu sein und lieben zu dürfen. In einem guten Vater oder einer guten Mutter scheine das Göttliche gleichsam hindurch und werde zu einer wichtigen Erfahrung Gottes. Deshalb sei die Bedeutung seelisch gesunder Familien nicht hoch genug einzuschätzen.

    Nach dem Referat ging Dr. Birkenmaier auf Fragen der Zuhörer ein. In diesem Zusammenhang wurde für die Männergruppe geworben, die sich monatlich mit Pfarrer Rapp aus Mudau zu Gesprächsrunden trifft. Danach zelebrierte Dr. Birkenmaier den Gottesdienst und mit einer gemütlichen Kaffeerunde klang der Tag aus. Beli

    Fränkische Nachrichten 22. Februar 2008