Außergewöhnliches Konzert in Hardheim: Klaus Evers präsentierte "Orgel und Vogelstimmen"
Von der Vogelpredigt inspiriert
Von unserem Redaktionsmitglied Ingrid Eirich-Schaab
Hardheim. Ein Kirchenkonzert der besonderen Art sollte am Sonntag in Hardheim die Kälte
des Winters langsam in Frühlingsstimmung umkehren: Klaus Evers, Dekanatskantor in Bad Kreuznach
und Orgelsachverständiger im Bistum Trier, zauberte mit seinem Programm "Orgel und Vogelstimmen"
facettenreiche Klanggemälde. Die Zuhörer durften die Vleugels-Orgel wieder einmal in all
ihrer Vielseitigkeit erleben, als multifunktionales und multiplexes Konzertinstrument.
Es war eine sehr anspruchsvolle Veranstaltung auf künstlerisch äußerst hohem Niveau,
wobei die meisten Besucher (das Konzert hätte durchaus eine bessere Resonanz verdient)
im Hinblick auf die vielversprechende Ankündigung allerdings eher wohlklingende,
harmonische Weisen erwartet hatten. Der Organist überzeugte durch seine virtuosen
Fähigkeiten.
Das Konzert lebte von Gegensätzen und Effekten, von der Kombination
grundverschiedener Klangfarben und Tonfolgen, wie sie nuancenreicher kaum hätten sein können.
Zartes Piano kontrastierte mit einer fast erdrückenden Tonfülle.
Im Namen der
"Freunde der Erftaldomorgel" hieß Pfarrgemeinderatsvorsitzender Bernhard Berberich die
Zuhörer zu dieser ersten Veranstaltung 2008 in der Reihe der großen Orgelkonzerte in der
Pfarrkirche St. Alban willkommen.
Von der Vogelpredigt inspiriert
Die Vogelpredigt des heiligen Franziskus habe ihn zu der Programmgestaltung inspiriert,
erläuterte Klaus Evers eingangs. Und so stellte er denn auch eine eigene Orgelbearbeitung
der gleichlautenden "Legende" (Klavierfassung) von Franz Liszt vor. Davon ausgehend ließ
er weitere "Vogelstimmen" erklingen: Wohltuend warme und weiche Töne schmeichelten sich
zunächst in die Ohren und Herzen ein.
Aber es gab auch schrille, ganz schön
schräge "Vögel", wie den "blauen Vogel" aus "Säya", op. 50 (Poème über ein koreanisches Volkslied)
von Jean Guillou. Die Spezialregister "Regenmaschine" und "Donner" der Hardheimer
Vleugels-Orgel unterstützten mit ihren schönen Effekten die Interpretation.
"Die
zweite Motivation" zu diesem Konzert, wie Evers es ausdrückte, war die Einstimmung auf das
Konzert mit Professor Naji Hakim, einem der derzeit weltweit bedeutendsten Organisten,
am 27. Juni in Hardheim. Aus dessen CEuvre war ebenfalls eine Kostprobe zu hören.
In der Kirchenmusik ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass der Klang von Vogelstimmen
eingefangen und instrumental nachgeahmt wird. Prädestiniert für derartige Interpretationen
ist die dreimanualige Hardheimer Vleugels-Orgel in der Pfarrkirche St. Alban mit ihren
zwei Schwellwerken, dem dynamisch modulierbaren Klangfarbenreichtum und den
Spezialregistern.
Evers eröffnete das Konzert allerdings an der alten englischen
Chororgel im Altarraum mit William Byrds "In the Woods so Wild". Ruhig und dezent wurden
die Zuhörer eingeladen, von der Hektik des Alltags abzuschalten und einzutauchen in eine
ungewohnte, reiche Klangwelt, in der irisierende Effekte in himmlische Sphären entrücken
sollten.
Nuancenreiche Klangbilder
So auch bei Johann K. Kerlls
"Capriccio sopra il Cucu", dem ersten Vortrag an der großen Vleugels-Orgel an diesem
Abend, bei dem sich der Ruf des Kuckucks immer wieder in hell trällerndes, anmutiges
Gezwitscher mischte. Klaus Evers verstand es vorzüglich, das Instrument in all seinen
Variationsmöglichkeiten auszuspielen und ihm, gestalterisch brillant, immer neue
Klangbilder zu entlocken.
Der blinde Komponist Jean Langlais entwarf ein modern
abstraktes, die Geräuschkulissen interessant abstrahierendes Klanggemälde von einem
"Sonntagmorgen in New York". Szenenartig alterniert das Gurren der Tauben mit einem
melancholischen Choralthema, kontrapunktiert von hohen, kurz ausgestoßenen Vogellauten.
So ganz anders, schrill und skuril, exotisch und schräg dann Jean Guillous "Säya".
Ungewohnte Dissonanzen drangen durch Mark und Bein. Das Donnergrollen ergriff den Körper
und schien sich, einer Flutwelle gleich, über alles hinwegwälzen zu wollen.
Innerlich
noch aufgewühlt lauschten die Zuhörer hernach so andächtig den technisch extrem
schwierigen, aber bravourös dargebotenen "Vogelgesängen" von Olivier Messiaen, dass man
eine Stecknadel hätte fallen hören.
Aufrüttelnd schrill ging es weiter mit
Naji Hakims "Le Tombeau d'Olivier Messiaen". Klaus Evers konnte seiner Spielfreude
freien Lauf lassen und einmal mehr seine Sensibilität und seine erwähnenswerte Präzision,
gepaart mit einer außergewöhnlichen technischen Perfektion, unter Beweis stellen.
Die Zugabe, "Die Schwalbe" von Louis Claude Daquin, setzte, quasi als Abgesang, einen
wohltuend sanften, gefälligen, ja versöhnlichen Schlussakzent, der zur inneren Ruhe
und Erbauung zurückfinden ließ.
Fränkische Nachrichten
19. Februar 2008
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RNZ 18.02.08 Bildbericht-->
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