Johann Staudinger Tod, Integration der Spätaussiedler war ihm wichtig

    Pfarrgemeinde nahm Abschied

    Franz Greulich Hardheim

    Hardheim Am Dienstag wurde unter großer Beteiligung der gesamten Bevölkerung Johann Staudinger zu Grabe getragen, der im 80. Lebensjahr verstorben war.

    1989 war er als russlanddeutscher Spätausiedler nach Hardheim gekommen. Seine guten Deutschkenntnisse, machten ihn bald zum Sprecher der Aussiedler. Immer wieder musste er für seine Landsleute Behördengänge machen, sodass er scherzhaft oft als der "Bürgermeister der Immanuel Kant Straße" bezeichnet wurde.

    Zusammen mit der Kolpingsfamilie Hardheim inizierte er dort zwei Mal ein Straßenfest das zu einem Fest der Begegnung von Alt und Neubürgern wurde.

    Pfr. Lang nannte wichtige Stationen seines Lebens. 1928 in Sulz in der Ukraine geboren wurde er 1942 zwangsausgesiedelt. Er war deutscher Soldat, geriet in französische Gefangenschaft wurde den Russen übergeben und als Verräter 1945 nach Sibirien verbannt. Staudinger erzählt bei Besuchen immer wieder, welch schwere Zeit dies war. Nicht einmal mit seinen Kindern konnte und durfte er darüber reden einmal deutscher Soldat gewesen zu sein. Bis 1956 lebte er unter russischer Komendatur. In dieser Zeit heiratete er Elisabeth Heidt, die ihm 5 Kinder schenkte. Hier erhielt er eine Ausbildung zum Beruf des Bauleiters, den er bis 1989 ausübte.

    1968 erfolgte die Umsiedlung nach Usbekistan. Am 18. Mai 1989 kam er mit seiner Familie in Deutschland an. Der Besuchsdienst der kath. Pfarrgemeinde nahm Kontakt mit Johann Staudinger auf und gewann einen wertvollen Mitarbeiter, als Verbindungsglied zwischen den Aussiedlern und der Pfarrei. Länger als ein Jahrzehnt nannte der Begrüßungsbrief der Pfarrei ihn als Ansprechpartner.

    Pfarrgemeinderatsvorsitzender Bernhard Berberich vervollständigte in seiner Würdigung das Lebensbild des Verstorbenen. Von 1995 bis 2005 war er Mitglied im Pfarrgemeinderat, in dem seine Lebenserfahrung und sein Ratschlag sehr gefragt waren. Er besuchte neuzugezogene Bürger, vermittelte Möbel und Haushaltgeräte an Bedürftige und bot allen Hilfen bei Behördengängen an. Als Wohnviertelhelfer im Norden Hardheims kannte er die meisten neuen Mitbürger persönlich und konnte so Kirche präsent machen. Gefragt war er auch als Dolmetscher und Koordinator, als Jugendliche aus Gomel in Weißrussland zum Weltjugendtag nach Paris und Köln fuhren und in Hardheim drei Tage Station machten.

    Bernhard Berberich legte als Dank an der Bahre ein Blumengebinde des Pfarrgemeinderats nieder und sprach den Angehörigen seine Anteilnahme aus. fgr.