Ergänzende Förderung der Vorschulkinder
Lern- und Spielprojekt: Angebot des Ausschusses Ehe und Familie des Hardheimer Pfarrgemeinderates
HARDHEIM. Kindern zwischen viereinhalb
und sechs Jahren wird in
Hardheim ein ganz besonderes Vorschulprogramm
geboten: Seit rund
vier Jahren gibt es die Lern- und
Spielwerkstatt, getragen vom Ausschuss
für Ehe und Familie der katholischen
Pfarrgemeinde St Alban.
Seit Januar leitet Birgit Bader diese.
Zum Schuljahresanfang im September
haben neuen Kurse begonnen.
Zu Beginn einer jeden Stunde
werden die Regeln, an die sich jedes
Kind zu halten hat, besprochen. Die
Kinder müssen sich beispielsweise
melden, wenn sie etwas sagen wollen,
und dürfen niemanden auslachen.
Die letzte Regel rufen sie mit
lauten Stimmen in den Raum: "Man
darf nicht durcheinander schreien".
Hernach begleitet Birgit Bader die
Kinder in eine Ecke des Raumes. Vor
einem Stapel mit den unterschiedlichsten
Gegenständen setzen sie
sich in einen Kreis. Nun geht es ans
Sortieren: Die Teller zu den Tassen
und Gläsern, die Giraffe zu dem Hasen
und Löwen und der Pfeffer zu
Salz und Thymian.
Insgesamt ordnen die Kinder die
Gegenstände in fünf verschiedene
Kategorien: Getränke, Tiere, Geschirr,
Medikamente und Gewürze.
"Was ist das?" fragt Birgit Bader und
hebt ein Päckchen hoch. Darauf ist
eine Zitrusfrucht zu sehen. "Zitronensaft",
erschallt es aus den kleinen
Mündern. "Nein" bemerkt Birgit Bader
und erklärt, dass es sich um geraspelte
Orangenschalen handelt
und dies ein Gewürz sei.
Wild entschlossen, sich weiteren
neuen Aufgaben zu widmen, stürmen
die Kleinen danach an den
Tisch. Dort bekommen sie ein Arbeitsblatt
mit verschiedenen Abbildungen,
die in unterschiedlichen
Reihen dargestellt sind. Beispielsweise
sieht man in einer Reihe einen
Wellensittich, einen Spatz, einen
Fisch und eine Ente. Die Kinder
streichen das Tier, welches nicht zu
den anderen passt. Zum Schluss
wird das Ergebnis besprochen: "Der
Fisch und die Ente gehören nicht
dazu, weil sie beide nicht fliegen
können", erklärt ein Mädchen und
wird dahingehend belehrt, dass beispielsweise
Wildenten doch fliegen
können und somit nur noch der
Fisch nicht in die Reihe passt," wie
die Erzieherin geduldig erläutert.
Als alle Bilderfolgen geklärt sind,
wird das Ausmalen eines Blattes als
Hausaufgabe aufgegeben. "Hausaufgaben?",
staunen die Kinder und
fühlen sich schon wie richtig große
Erstklässler.
"Dem Ausschuss für Ehe und Familie
ist es unter anderem wichtig,
dass den Kindern das Pfarrheim zur
Heimat wird, zu einem Ort, der ihnen
Unterstützung und Hilfe bietet.
Die Lern- und Spielwerkstatt trägt
dazu bei", so die Vorsitzende des
Ausschusses, Claudia Beger, im Gespräch
mit den FN.
Da die Bildungsansprüche der
Schulen immer mehr steigen, seien
ergänzende Aktivitäten zur Schulvorbereitung
durchaus sinnvoll und
wichtig, so Birgit Bader: Auf Fragen
der Schulfähigkeit könnten zumeist
nur die Erzieherinnen der jeweiligen
Kindergärten antworten oder der
Einschulungstest, der allerdings erst
kurz vor Beginn des Schuljahres
durchgeführt werde. Auch hier sei
die Lern- und Spielwerkstatt hilfreich:
Sie biete durch die Begrenzung
der Gruppenstärke auf maximal
zwölf Kindern die Möglichkeit
einer genauen Erfassung und Analyse
der Entwicklung der Kinder.
In Elterngesprächen, die auf
Wunsch nach der Stunde stattfinden,
können sich die Erziehungsberechtigten
eine weitere Einschätzung
der Fähigkeiten ihrer Kinder
einholen. "Dafür sind sie oft sehr
dankbar", stellt Birgit Bader immer
wieder fest. Sie selbst absolvierte
1997 eine Ausbildung zur Erzieherin
an der katholischen Fachhochschule
für Sozialpädagogik in Buchen.
Seit Juni 2002 arbeitet sie in Tauerbischofsheim.
"Die Arbeit mit den Kindern
in der Lern- und Spielwerkstatt
bereitet mir sehr viel Spaß", bilanziert
die engagierte junge Frau.
"Die Kinder werden spielerisch auf
die Schule vorbereitet. Denn der
Schulalltag ist nicht leicht. Die Kinder
dürfen nicht mehr einfach aufstehen
und toben, müssen zuhören und dürfen
nur sprechen, wenn sie aufgerufen
werden." Außerdem fordere die
_ Die Lern- und Spielwerkstatt ist ein
Vorschulprogramm für alle Kinder,
die im folgenden Jahr in die Schule
kommen. An zehn Freitagen treffen
sich die Kinder für jeweils 45 Minuten
mit Erzieherin Birgit Bader im Pfarrheim.
_ Ins Leben gerufen worden ist die
Lern- und Spielwerkstatt vor rund vier
Jahren auf Anfrage von Eltern, die
sich an den Ausschuss für Ehe und
Familie des Hardheimer Pfarrgemeinderats
wandten und Interesse an
einem solchen Kurs bekundeten. Der
Ausschuss, dem die Unterstützung
der Familien ein wichtiges Anliegen
ist, hatte für die Belage dieser Eltern
ein offenes Ohr.
_ Die Grünsfelder Erzieherin Alexia
Volkert-Walz, die eine solche Lernund
Spielwerkstatt schon in Grünsfeld gestaltet hatte, war gerne bereit,
etwas Ähnliches in Hardheim anzubieten.
_ Im Januar 2007 übernahm Birgit
Bader die Lern- und Spielwerkstatt.
Sie betreut im Moment 18 Kinder in
zwei Gruppen. "Bis zu den nächsten
Sommerferien werden es voraussichtlich
drei Kurse", so Birgit Bader
gegenüber den FN.
Schule den Kindern viel mehr Selbstständigkeit,
Verantwortungsgefühl
und Pflichtbewusstsein. Die Lern- und
Spielwerkstatt versuche genau diese
Kompetenzen zu fördern. He
Fränkische Nachrichten
06. November 2007
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