Kirchengemeinden haben viele gemeinsame Interessen

    Evangelischer Kirchengemeinderat und katholischer Pfarrgemeinderat tagten gemeinsam
    Noch intensiveres Miteinander geplant

    Hardheim Die katholische und evangelische Kirche liegen nicht nur räumlich eng zusammen, sie haben auch viele gemeinsame Interessen. Ökumenische Trauungen, Schulgottesdienste, den Verein Dienst am Nächsten, die kirchliche Sozialstation in gemeinsamer Trägerschaft der Kirchen, die Tagespflege, Kinderbibelwoche, Weltgebetstage, feierliche Einweihungen, Lobpreisabende und die älteste Einrichtung, der ökumenische Bibelkreis, zeugen vom gemeinsamen Handeln. Alle zwei Jahre treffen sich die evangelischen Kirchengemeinderäte mit dem katholischen Pfarrgemeinderat, um zu beraten, wie man intensiver im gemeinsamen Interesse handeln könne.

    Nach einem Zitat der Basler Synode und einem Gebet von Clemens Balles hieß Pfarrgemeinderatsvorsitzender Bernhard Berberich im Pfarrheim die Gäste mit Pfarrer Ralf Krust an der Spitze willkommen. Eine Vorstellung der Räte leitete über zu einer kurzen Darstellung der beiden Kirchengemeinden. Pfarrer Krust bezeichnete die evangelischen Kirchengemeinde Hardheim-Höpfingen momentan durch die Zuzüge der Bundeswehrfamilien als eine wachsende Gemeinde. Während es vor dem 2. Weltkrieg kaum evangelische Christen in Hardheim und Höpfingen gegeben habe, seien durch die Evakuierung und die Heimatvertriebenen viele Protestanten ins Erftal gekommen. Den nächsten großen Schub habe die Gemeinde durch die Aus- und Übersiedler erfahren, die in der evangelischen Kirche ihre Heimat gefunden hätten. Zurzeit sei der Zuwachs durch zuziehende Bundeswehrfamilien spürbar. So leben im Bereich Hardheim Höpfingen momentan 1400 evangelische Christen.

    Bernhard Berberich nannte die Zahlen für den katholischen Bereich: Im Zentralort Hardheim mit den fünf Filialen leben 3800 Katholiken, in Schweinberg 600, in Bretzingen, in Erfeld 280 und in Gerichtstetten 580. Der durchschnittliche Gottesdienstbesuch in Hardheim liegt bei 18 Prozent. Pfarrer Franz Lang stellte allerdings die Frage, ob man die Kirchlichkeit ausschließlich am Gottesdienstbesuch messen könne. Bernhard Berberich ergänzte, dass man zum Beispiel bei Sonderaktionen wie dem Pfarrfest viel mehr Katholiken zu aktiver Mitarbeit gewinnen könne, die nicht zu den regelmäßigen Kirchenbesuchern gehören. Er bedankte sich bei allen Helfern, die beim Pfarrfest mitgewirkt haben.

    Sorgen macht beiden Kirchen, dass die Jugendlichen und Erwachsenen unter 60 Jahren in den Kirchen unterrepräsentiert seien. Einen breiten Raum nahm deshalb an diesem Abend die Frage ein: "Wie können wir passive Mitglieder besser erreichen, wie lassen sie sich ansprechen?" Einen wichtigen Schritt hat hier die katholische Familiengruppe getan, indem sie regelmäßig für die verschiedenen Altersgruppen Kindergottesdienste im Pfarrheim anbietet.

    Matthias Schiller fragte an, ob im Bereich Kindergottesdienst eine Zusammenarbeit möglich sei. Pfarrer Krust sagte, dass man in der ökumenischen Kinderbibelwoche damit gute Erfahrungen gemacht habe. Zurzeit seien es in der evangelischen Kirche nur wenige Kinder, welche die Angebote nutzten.

    Birgit Ott sprach von den Problemen, die sich durch den geplanten Ganztagesunterricht ergeben. Bernhard Berberich bemängelte, dass es über drei Monate dauere, bis die Meldung eines Zuzuges beim Pfarrbüro eingehe. Zwar erhielten die Neubürger mit der Anmeldung im Rathaus ein Begrüßungsschreiben der Kirchen, doch entscheidend sei die persönliche Ansprache. Dazu komme das Problem, dass nicht genügend Christen sich im Neuzugezogenen-Besuchsdienst engagieren.

    Eine große Schwierigkeit sei es auch, die Neubürger zuhause anzutreffen, um ein Gespräch mit ihnen führen zu können. Birgit Ott schlug vor, alljährlich die Neubürger zu einer Eventveranstaltung, wie zum Beispiel zur Kirchenbesichtigung und zum Kirchturmbesteigen, einzuladen.

    Als eine gute Möglichkeit, Kirche in allen Haushalten präsent zu machen, sei das neue Amts- und Mitteilungsblatt der Gemeinde, sagte Lothar Leiblein, von dem die Kirchen Gebrauch machen sollten. Denn vom Kleinkind bis zum Seniorenalter machten die Kirchen ein umfassendes Angebot, das sich sehen lassen könne.

    Nach einer umfassenden Aussprache machte Pfarrer Krust den Vorschlag, sich künftig jährlich zu treffen. So soll das nächste Treffen in einer Gaststätte als "Ökumenischer Räte-Stammtisch" eingerichtet werden. Der Vorschlag wurde freudig aufgenommen. fgr

    Fränkische Nachrichten 19. Oktober 2007