KjG-Lager haben nichts von ihrer Attraktivität verloren

    Hans Sieber erinnert sich an die Anfänge der Hardheimer Zeltlager / 40-Jahr-Feier am 19. Oktober / Lagerfeuerromantik geblieben




    Hardheim. 40 Jahre ist es nun her, dass das Hardheimer Zeltlager aus der Taufe gehoben wurde. Heute ist das KjG-Zeltlager im Hardheimer Veranstaltungskalender ein festes, nicht mehr weg zu denkendes Angebot für Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 14 Jahren. Viele engagierte junge und jung gebliebene Hardheimer machten die Ferienfreizeit zu dem, was sie heute ist. Grund genug einmal zurückzublicken wie alles begann.

    Die eigentliche Geburtstunde des Hardheimer Zeltlagers war vor 50 Jahren, im Jahre 1957, als Heinz Klos, Rudi Müller und Clemens Balles das Dekanatszeltlager des BDKJ gründeten. Dieses war so beliebt, dass sich die Pfarreien Altheim und Rippberg im Jahre 1965 auf Grund stetig steigender Teilnehmerzahlen selbstständig machten.

    Zwei Jahre später, 1967, war dann die Stunde der Hardheimer gekommen. An die Ereignisse der Jahre 1966/67 erinnert sich Hans Sieber, erster Lagerleiter des eigenständigen Hardheimer Zeltlagers: Im Jahre 1966, so Sieber, fand das letzte gemeinsame Zeltlager des Dekanates am Bodensee statt. Das Bubenzeltlager war ein „Riesenlager“, mit insgesamt 220 Teilnehmern (Jugendliche, Betreuer und Küchenpersonal).

    Sie campierten auf einem wunderschönen Zeltplatz mit einem herrlichen Blick auf den Überlinger See in rund 25 Zelten auf einer Länge von etwa 300 Metern. Al- lein aus Hardheim waren rund 85 Teilnehmer im Dekanatslager vertreten.

    Um klare Verhältnisse zu schaffen und eine einfachere Organisation sicherzustellen, entschied man sich einvernehmlich für eine Trennung. Doch damit wurden schon eine Menge Fragen aufgeworfen, die es bis zum Start eines eigenständigen Hardheimer Zeltlagers noch zu klären galt. Zelte, Küchenmaterial, Zeltplatz, alles musste nun in eigener Regie organisiert werden. Dabei war die Aufteilung der Unterkunftszelte noch die einfachste Übung. Schwieriger war schon die Beschaffung der Küchenausstattung, denn beide künftige Lager, das „restliche“ Dekanatslager als auch das künftige neue Hardheimer Zeltlager sollten den Kindern und Jugendlichen eine exzellente Küche bieten und zwar sowohl den Mädchen, die bis zu Beginn der Achtziger Jahre noch in einer festen Unterkunft nahe des Bubenzeltplatzes campierten, als auch den Buben selber.

    Wochenlang waren Clemens Balles, Irene und Rudolf Steigerwald unterwegs. Ausrangierte Teeausschankbehälter, die zudem noch riesige Warmhaltekannen waren, konnten günstig von der Werkskantine von Mercedes-Benz in Mannheim erstanden werden. Über einen anderen Werkverkauf wurden Kochherde und Großküchengeschirr preisgünstig erworben, so dass wichtige Voraussetzungen geschaffen waren.

    Bevor es losgehen konnte, brauchte man nur noch einen geeigneten Zeltplatz. Diesen fand man unter dankbarer Mithilfe des damaligen Hardheimer Bürgermeisters Schmider, der in Rötenbach im Hochschwarzwald aufgewachsen war und dort noch Verwandte hatte. So bezogen schließlich vom 1. bis 15. August 1967 genau 101 Jungen, Betreuer und „Dienstpersonal“ für 14 Tage in Rötenbach das „Fort Laremy“.

    Zwei Regimenter, Kavallerie und die berühmten Texas-Rangers unter der Leitung des Fortkommandanten Hans Sieber und des Gouverneurs von Arkansas (Hardheims Kaplan Josef Keller), begaben sich auf Patrouille in den Black-Forest-Mountains. In Rötenbach selbst belegten 82 Mädchen die „Hacienda del Sol“ unter der Leitung von Doris Volk (geborene Blum „Flora“) in der dortigen Schule.

    Die Teilnehmer beider Lager erkundeten bei vielen Abenteuerspielen die nähere und weitere Umgebung von Rötenbach. Vor allem die Mädchen in der „Hacienda del Sol“ hatten das große Los gezogen. Vor der Tür lag ein herrliches Schwimmbad zur täglichen Benutzung. Im „Fort Laremy“ ging es da schon etwas rustikaler zu, denn es gab weder elektrisches Licht noch ein Wasserclosett auf oder in der Nähe des Platzes. Das Küchenteam hatte einen Waschkessel zum Kochen der Kartoffeln, ansonsten eine handbetriebene Brotschneidemaschine.

    Doch trotz harter Handarbeit schmeckte das Essen ausgezeichnet. Sieber erinnert sich, dass es trotz aller Schwierigkeiten, die es am Anfang gab, nie zu schlechter Stimmung und Langeweile kam.

    Doch es hat sich in den letzten 40 Jahren einiges verändert, seit 1982 gibt es das gemischte Zeltlager in seiner heutigen Form. Der Donnerbalken gehört schon lange der Vergangenheit an. Das Zeltlager verfügt über eine komplette Versorgung mit fließend Wasser und Strom. Der Küche stehen Kühlschränke und ein Kühlwagen zur Verfügung, um die Lebensmittel entsprechend gesetzlicher Standards zu lagern. Auch eine Friteuse gehört zum Sortiment.

    Im Organisationsbereich hat die Moderne ebenfalls Einzug gehalten. So ähnelt das Zelt der Lagerleitung inzwischen doch eher einem Büro, ausgestattet mit Laptops, Drucker und Flipcharts. Doch die grundsätzlichen Dinge, die eine solche Freizeit ausmachen, sind die Gleichen geblieben: Lagerfeuerromantik, viele Abenteuerspiele und eine Geisterwanderung sorgen noch immer für viel Spaß. So haben in den letzten 40 Jahren über 400 Betreuer und Küchenleute für das Wohl der Hardheimer Kinder und Jugendlichen gesorgt und somit zur kontinuierlichen Entwicklung dieser Institution beigetragen. Sie alle sind zum Festabend der KjG Hardheim anlässlich der 40.-JahrFeier am 19. Oktober im Pfarrheim eingeladen.

    © Fränkische Nachrichten - 07. September 2007

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