Monumental-Malerei heute wieder geachtet
Bilder von August Kolb wurden in den 60er Jahren übermalt
Hardheim. Wie nachdrücklich sich Zeitgeschmack
und die Beurteilung künstlerischer
Arbeiten im Laufe der Zeit wandeln
können, ist an der Ausgestaltung der katholischen
Pfarrkirche St. Alban in Hardheim
deutlich ersichtlich.
Ursprünglich war das neuromanische
Gotteshaus im Innern reich ausgeschmückt
durch den 1942 verstorbenen Kirchenmaler
Augustin Kolb. Dieser hatte die Kirche
unter anderem mit einem monumentalen
Deckengemälde künstlerisch ausgestaltet.
Ältere Hardheimer werden sich sicher noch
an die alten Bilder und Gemälde erinnern.
Augustin Kolb hat bis zum Zweiten
Weltkrieg viele Kirchen in der Erzdiözese
Freiburg ausgemalt und war dort zum führenden
Vertreter monumentaler Kirchenmalerei
geworden, wie auch vor noch nicht
allzu langer Zeit im „Konradsblatt“ dargestellt
wurde.
Kolb (Jahrgang 1869) erlernte den Beruf
eines Tünchers im elterlichen Betrieb und
studierte an der königlichen Akademie der
bildenden Künste in München. Dann folgten
erste Aufträge als Kirchenmaler. Kolb
ließ sich 1899 in Offenburg nieder und
wohnte dort bis 1927. In der Folge wurde er
mit der Ausmalung von Kirchen in der Erzdiözese,
so auch in Hardheim, beauftragt.
Diese Zeit war künstlerisch unter anderem
geprägt vom Historismus. Kolb gestaltete
die damals im Stil von Neoromantik
und auch Neugotik gebauten Gotteshäuser.
Zudem schuf er Holzschnitte und Gemälde.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil
verschwanden dann in Ablehnung des Malstils
seiner Epoche und verursacht durch
neue Vorstellungen von künstlerischer
Ausgestaltung im Zusammenhang mit Kir-
chenrestaurierungen zahlreiche Arbeiten
Kolbs. Sie wurden einfach weiß oder einfarbig
hell übertüncht oder aber komplett
abgeschlagen. So auch in Hardheim, als in
den Jahren 1964 bis 1968 die Pfarrkirche
renoviert wurde. Die Kirche präsentierte
sich hernach dem Stil der Zeit entsprechend
hell, einfach und schmucklos.
Es gab in Hardheim viele Menschen, die
sich mit dieser Art von Ausgestaltung nicht
anfreunden konnten. Dazu kam, dass das
Weiß der Decken und Wände immer grauer
und schwärzer wurde. So wurde nach und
nach wieder der Wunsch nach Ornamenten
und Farben laut. Eine Wiederherstellung
der alten Bilder war allerdings wegen des
konsequenten Vorgehens bei deren Beseitigung
nicht mehr möglich.
In Verbindung mit der erneuten und finanziell
aufwändigen Renovation der Kirche
in den Jahren 1989 bis 1994 begannen
unter Leitung des damaligen Seelsorgers
Pfarrer Johann Schäfer Besprechungen mit
dem Künstler Franz Xaver Braunmiller
und der Mosaikfirma Mayer‘sche Hofkunstanstalt
München zur künstlerischen
Neugestaltung. Man wünschte sich für den
Innenraum eine Gestaltung, die sich wieder
an die ursprüngliche Ausgestaltung anlehnte.
Die neuen Bilder sollten zu einer
Art „Bilderbibel“ werden. Nachdem der
Vertrag 1988 unterzeichnet worden war,
wurde die Kirche in den Jahren 1990 bis
1992 mit Mosaiken neu ausgestaltet. Inzwischen
wurde Augustin Kolb in der Erzdiözese
Freiburg wieder „neu“ entdeckt und
sein Monumentalstil sozusagen rehabilitiert,
indem der von ihm für die Pfarrkirche
in Achern geschaffene, überdimensionale
Kreuzweg restauriert wurde. z
© Fränkische Nachrichten - 30.07.2007
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