Pfarrgemeinde Träger des neuen Kindergartens
    Nach hartem Ringen fiel am Montag die Entscheidung / Gemeinde behält sich weitreichende Einflussmöglichkeiten vor

    Hardheim. Die Entscheidung ist gefallen: Der zweite Hardheimer Kindergarten bleibt in kirchlicher Trägerschaft. Die politische Gemeinde behält sich allerdings weitreichende Mitsprache- und Entscheidungsmöglichkeiten vor und fixierte ganz klare Vorgaben zu Gunsten des Gemeindekindergartens, die in der Sitzung am Montag nochmals für Diskussionsstoff sorgten. Vor allem aber bedauerten die eigens wegen dieses öffentlichkeitswirksamen Themas anwesenden Zuhörer, dass die der Entscheidung zu Grunde liegende Argumente in öffentlicher Sitzung nicht ausreichend dargelegt und erläutert wurden. Denn betriebswirtschaftliche Gründe, das stellten Bürgermeister und Gemeinderat nicht in Abrede, spielten in diesem Fall nur eine untergeordnete Rolle.

    Nur ganz wenige Projekte waren in der zurückliegenden Amtsperiode des Gemeinderates über Jahre hinweg so intensiv und kontrovers (nicht öffentlich) diskutiert und beraten worden, wie die Trägerschaft des neuen Kindergartens. Eltern und die Gremien der Pfarrgemeinde hatten sich in Abstimmung mit dem erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg in zahlreichen Versammlungen, Leserbriefen und Stellungnahmen eindeutig dafür ausgesprochen, dass die Kirchengemeinde weiterhin die Betriebsträgerschaft übernimmt. Allerdings nicht für beide Kindergärten, wie der Bürgermeister im Verlaufe der Verhandlungen dem Stiftungsrat vorgeschlagen hatte.

    "Wir haben versucht, dem Wunsch der Kirchengemeinde und der Eltern weitestgehend nachzukommen", eröffnete Bürgermeister Fouquet diesen brisanten Tagesordnungspunkt. Man habe sich die Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht. Denn es gebe viele gute Gründe sowohl für die Übertragung der Trägerschaft an die Kirchengemeinde als auch an die politische Gemeinde.

    "Wir stehen jetzt an einem Neuanfang, am Beginn eines auf lange Zeit ausgelegten Vertrages", fuhr der Verwaltungschef fort. Von partnerschaftlichem Miteinander war die Rede, auch wenn sich Bürgermeister und Gemeinderat zu ganz klaren Vorgaben genötigt sahen, deren Gründe sich den Zuhörern allerdings nicht erschlossen. So folgte der Gemeinderat bei zwei Gegenstimmen dem Empfehlungsbeschluss des Veraltungsausschusses, demzufolge die Betriebsträgerschaft für den neuen Kindergarten der katholischen Pfarrgemeinde Hardheim mit folgender Maßgabe übertragen wird: "Im Rahmen der jährlichen bedarfsplanung wird durch die Gemeinde das Betreuungsangebot der jeweiligen Kindergärten im gesamten Gemeindegebiet vorgegeben. Auf Grund des Rückgangs der Kinderzahlen ist damit zu rechnen, dass in absehbarer Zeit eine weitere Kindergartengruppe geschlossen werden muss. Im Bereich der Kerngemeinde Hardheim ist diese Schließung im kirchlichen Kindergarten vorzunehmen, wenn nicht durch andere Betreuungsangebote (Kinder unter drei Jahren, verlässliche Grundschule und dergleichen) eine neue Gruppe eingerichtet wird. Langfristig hat sich die Kirchengemeinde personalpolitisch auf diese sich ändernden Situationen einzustellen, das heißt dass Einstellungen vorerst nur befristet vorzunehmen sind. Der Gemeinde sind grundsätzlich alle sich abzeichnenden Personalveränderungen rechtzeitig zu melden.

    Der Empfehlungsbeschluss stelle einen Kompromiss dar, hieß es in der Gemeinderatsitzung. Dr. Martin Seitz hatte im Vorfeld der Entscheidung für eine moderatere und flexibler zu handhabende Lösung plädiert und eindringlich davor gewarnt, sich von vorneherein Chancen und Möglichkeiten zu verbauen, indem man bereits im Vorfeld festlegt, in welchem Kindergarten Gruppen geschlossen werden müssen, wenn die Kinderzahlen sinken. Er empfahl, die Muss- in eine Kann-Bestimmung umzuformulieren ("die Gemeinde würde sich nichts vergeben und hat trotzdem noch alle Entscheidungen in der Hand"), stieß damit aber auf wenig Gegenliebe bei seinen Ratskollegen aller Couleur.

    Bürgermeister Fouquet hält diesen von Dr. Seitz kritisierten "Automatismus" für sinnvoll, um klare Vorgaben zu erhalten, um die Probleme nicht in die nahe Zukunft zu verschieben und neuerliche Diskussionen über das Thema, wer wann wo welche Gruppe schließen muss, in der Zukunft zu vermeiden. Sein explizites Ziel: "Zwietracht zu vermeiden." "Die Eltern haben Anspruch auf einen Kindergartenplatz, aber nicht auf einen Kindergartenplatz ihrer Wahl", merkte das Gemeindeoberhaupt in diesem Zusammenhang an.

    Fouquet appellierte zu berücksichtigen, "wohin die Reise geht", nachdem das neue Kindergartengesetz neue Richtlinien und Vorgaben geschaffen hat, was die Ganztagsbetreuung, verlängerte Betreuung, Kinderhort usw. anbelangt. "Vieles ist im Moment in Bewegung. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung schrumpft. Wir müssen uns darauf einstellen, dass damit auch die Kinderzahl zurückgeht".

    Die günstigste, billigste und vorteilhafteste Lösung dafür, alle Probleme möglichst zufrieden stellend lösen und zeitnah auf die Herausforderungen eingehen zu können, sehen der Bürgermeister und die Mehrheit des Gemeinderates darin, beide Kindergärten in einer Hand zu führen. Trotzdem wollte man den Wunsch der Eltern berücksichtigen und entschied sich daher für besagten Kompromiss.

    "Die Klauseln gelten nur für den Fall der Fälle, der gar nicht unbedingt eintreten muss", hieß es beschwichtigend. "Eigentlich ist das Thema momentan gar nicht aktuell, in den nächsten drei Jahren wird voraussichtlich gar keine Gruppe geschlossen", machte Martin Müller deutlich.

    Volker Rohm appellierte für Flexibilität und unterstrich "die in der Vergangenheit sehr gute Zusammenarbeit beider Hardheimer Kindergärten in einer guten Atmosphäre". Das werde sicher auch in Zukunft so möglich sein. Überhaupt ist er überzeugt, dass der neue Kindergarten schon deshalb "zieht", weil er einfach neu ist, unabhängig davon wer der Träger ist.

    Bürgermeister Fouquet nutzte die Gelegenheit und dankte der Pfarrgemeinde, dass sie sich in der Vergangenheit so für die Kinderbetreuung einsetzte, der Gemeinde in schwierigen Zeiten unter die Arme griff und sich darüber hinaus auch finanziell im Kindergartenbereich einbringt. Ingrid Eirich-Schaab




    © Fränkische Nachrichten – 23.06.2004