Vleugels-Orgel für Papst Benedikt

    Das Instrument aus Hardheim wird in der Papst-Kapelle oder in der Capella Paolina aufgestellt

    Ingrid Eirich-Schaab, Redaktionsmitglied der Fränkischen Nachrichten

    Hardheim. Eine deutsche Orgel für den deutschen Papst: Diese Idee - geboren aus der Freude über die Wahl von Joseph Ratzinger zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche - kann Orgelbaumeister Hans-Georg Vleugels aus Hardheim nun in die Tat umsetzen. Mit höchst offizieller Einwilligung des Pontifex Maximus versteht sich. Das Spektakuläre an dem Projekt ist nicht nur die Tatsache, dass schon bald eine Orgel aus Hardheim im Vatikan erklingen wird, sondern vor allem auch der Ort, an dem dieses Instrument Verwendung finden soll: entweder in der Cappella Paolina oder in der Privatkapelle von Papst Benedikt XVI.

    Die Freude in der Hardheimer Orgelmanufactur ist übergroß: "Geschenkte Freude ist doppelte Freude. Dieses Sprichwort hat sich für uns ganz und gar bewahrheitet", strahlt Hans-Georg Vleugels im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten über das ganze Gesicht.

    Die Orgelbaumanufactur Vleugels ist immer wieder für Überraschungen gut. Das innovative Traditionsunternehmen hat schon mit so mancher Aufsehen erregenden Eigenkonstruktion (beispielsweise der Glasorgel) von sich Reden gemacht. Auch in Sachen Restaurierung (man erinnere sich an die Smetana-Orgel in Prag) genießt der Familienbetrieb einen hervorragenden Ruf. Das lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass die Auftragsbücher immer gut gefüllt sind und Vleugels - auf die wirtschaftliche Lage angesprochen - eigentlich stets "zufrieden stellende Ergebnisse" vorzulegen hat.

    "Nach der Papstwahl waren wir alle sehr glücklich", schilderte Hans-Georg Vleugels die Stimmung (nicht nur) in der Orgelmanufactur am 19. April diesen Jahres. "Für jemanden, der wie ich zu 90 Prozent von der Kirche abhängig ist, setzte diese Wahl ein gewaltiges Signal." Vleugels spricht von einem "Glückstag für die Kirche in Deutschland und die Kirchemusik". So habe man denn auch in der Hardheimer Orgelbauwerkstatt spontan eine Feier mit Kaffee und Kuchen für die Mitarbeiter initiiert, als bekannt wurde, wer Nachfolger von Papst Johannes Paul II. wird.

    Als Vleugels vor etwa sechs Jahren den Auftrag erhielt, für Garmisch-Partenkirchen eine Orgel im italienischen Stil zu bauen, befasste er sich intensiv mit diesem Orgeltypus. In diesem Zusammenhang unternahm er im Jahr 2000 eine Reise durch Italien, die ihn unter anderem in den Vatikan führte und mit den dort vorhandenen Pfeifeninstrumenten vertraut machte. "Im Großen und Ganzen ist der Stellenwert der Kirchenmusik im Vatikan nicht allzu hoch", so die eher nüchterne Bilanz.

    Bei diesem Rundgang kam Vleugels die Idee, dass es doch eine tolle Sache wäre, wenn eine Orgel aus seiner Werkstatt im Vatikan erklingen würde. "Die Sixtinische Kapelle war leider schon vergeben! Aber es gibt noch viele Kapellen im Apostolischen Palast, in denen keine Orgel steht."

    Der Mensch Joseph Ratzinger habe ihn schon immer fasziniert und interessiert. Von ihm erhofft sich der Hardheimer Orgelbaumeister, im Gegensatz zu Papst Johannes Paul II, der nicht gerade als Verfechter der Kirchenmusik galt, einen Aufschwung. Immerhin spielt Benedikt XVI. selbst Klavier, sein Bruder leitete früher die bekannten Regensburger Domspatzen. Dieses Wissen machte Hans-Georg Vleugels Mut. Er griff seinen Gedanken aus dem Jahr 2000 wieder auf, schrieb an Domkapitular Georg Gänswein, Privatsekretär des Papstes, und äußerte darin den Wunsch, dieser möge dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche seinen Wunsch übermitteln, dem Heiligen Vater "als Zeichen der Wertschätzung, der Hochachtung vor dem Nachfolger Petri und vor seinem universalen Hirtendienst" eine kleine Orgel schenken zu dürfen.

    Vor drei Wochen kam die Antwort von Erzbischof Leonardo Sandri aus dem Vatikan: Im Auftrag des Papstes teilte der Substitut des Staatssekretariats mit, dass "Seine Heiligkeit für das hochherzige Angebot" danke. Nach Rücksprache mit den für die Liturgie Verantwortlichen habe sich der Heilige Vater für eine Truhenorgel in Kirschbaum entschieden. Zur Auswahl stand noch die von Vleugels kreierte Glasorgel. "Das Instrument soll", so heißt es in dem Schreiben, "nach einer geeigneten Herrichtung der Räumlichkeiten entweder in der Cappella Paolina oder in der Privatkapelle Seiner Heiligkeit seinen endgültigen Platz finden" - beides äußerst bedeutende Kirchenräume. Die Capella Paolina liegt direkt neben der Sixtinischen Kapelle. Durch diesen Gottesdienstraum ziehen die Bischöfe ins Konklave.

    Papst Benedikt könnte die Orgel aus Hardheim "vor oder nach der Generalaudienz an einem Mittwochvormittag im Januar oder einem späteren Monat im Jahr 2006 entgegennehmen", heißt es in dem Schreiben aus dem Vatikan weiter. Der genaue Termin muss noch abgesprochen werden.

    © Fränkische Nachrichten - 20.12.2005